Mein Besuch im Dezember 2006 in Temesvar

  • Mein Besuch im Dezember 2006 in Temesvar
    Teil 1 - Effata


    Wieder bin ich - dieses mal in Begleitung von meinem Mann - mit Lufthansa über München nach Temeswar geflogen. Gegen Mittag waren wir da. Mechtild Gollnick hat uns vom Flughafen abgeholt und wir sind sofort zur Tagesstätte Effata für AIDS-infizierte Kinder gefahren.


    Die Kinder und Jugendliche waren da und zeigten uns die vielen Arbeiten, die sie während ihres Aufenthaltes in der Woche hier herstellen. Es sind zur Zeit viele Weihnachts- und Blumenkarten, die sie mit Liebe gebastelt haben. Wieder habe ich einige Karten mitbekommen, die ich gegen eine Spende für die AIDS-infinzierzten Kinder weitergebe. Ich habe versprochen, wenn ich im nächsten Jahr wiederkomme, den "Erlös" aus dem Verkauf der Karten mitzubringen. (Das habe ich dann auch im nächsten Jahr gemacht!)


    2 x in der Woche findet ein Nähkurs statt. Die Mädchen haben Gardinen für ein Kinderheim und auch Bettwäsche genäht. Gerne werden uns die verschiedenen selbstgenähten Sachen gezeigt. Aus Rücksicht auf die Jugendlichen werde ich hier keine Bilder der Betroffenen hineinstellen.


    Nach einer Tasse Kaffee besichtigen wir den Garten, der aufgrund der Jahreszeit ziemlich kahl aussieht. Im nächsten Jahr, so erzählt der Betreuer, sollen Kirsch- und Apfelbäume gepflanzt werden. Zum Nachbarn hin soll auch ein Zaun gezogen werden, allerdings fehlt hierzu noch das Geld.


    Wir lassen 100 Euro für Weihnachten da, damit davon kleine Geschenke gekauft werden können, 43 Euro für ein HIV-Kind einer Familie, für Lebensmittel und die Monatsfahrkarten für 2 Kinder.


    Teil 2 - Centrul Vieitii & Blaskovici


    Centrul Vieitii ist eine Wohnheim für heimentlassene Jugendliche. Hier lernen die jungen Erwachsenen, selbstständig zu werden. Wir sprechen mit Marius, dem Sozialarbeiter, der uns durch die Räume führte.
    Die Jugendlichen lernen z. B. in Kursen verschiedene Fertigkeiten in handwerklichen Berufen wie z. Beispiel Wasserinstallation, Automechanik, Schlosser, Elektroinstallation.


    Ungefähr 25 Jungen leben in dem Heim. Die Mädchen sind in der Nähe in betreuten Wohnungen untergebracht. Einer der jungen Bewohner stellte sich gerne für ein Foto zur Verfügung.


    Marius fuhr mit uns in das Gebiet Blaskovici. Hier wohnen 4 Familien unter nicht vorstellbaren Verhältnissen. Die Armut ist riesengroß. Wir brachten warme Handschuhe, Mützen, warme Winterkleidung und Lebensmittel vorbei.


    Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Für uns ist es schwer mit solch einer Armut konfrontiert zu werden. Hier ist Hilfe dringend nötig. Leider gibt es noch viele solcher Menschen, die in unwürdigen Behausungen leben, Blasovici soll nur stellvertretend für alle anderen Gebiete genannt werden.


    Als wir gehen, fühlen wir uns glücklich, dass wir helfen konnten, aber auch unwohl, weil wir nicht mehr helfen konnten. Wir sollten diesen Kindern mehr helfen!


    Wir geben 100 Euro Unterstützung für das Wohnheim, 150 Euro für den Kauf von Winterkleidung und Winterschuhe für die Kinder einer besonders armen Familie und 100 Euro Unterstützung für eine besonders arme Familie, die in einer Notunterkunft lebt.

  • Teil 3 -Casa Sperantei


    Casa Sperantei, ein Waisenheim, in dem teils Voll- und auch teils Halbweisen leben. Ich war schon im letzten Jahr dort.

    Die Leiterin erzählt uns von einem neuen Kind. Die Mutter ist taubstumm, der Vater verschwunden. Zunächst hat die Mutter nur nachgefragt, ob das Kind aufgenommen werden kann. Eines Tages hat die Mutter das Kind einfach vorbei gebracht und da gelassen. Nur mit den Sachen bekleidet, die das Mädchen gerade angezogen hatte.


    Mit 17 Kindern ist das Wohnhaus eigentlich schon überbelegt, erzählt die Leiterin weiter. Natürlich werden sie sich um den Neuzugang kümmern, aber es ist nicht einfach. Von den Kindern , die zur Zeit in dem Waisenheim leben, geht eine noch in den Kindergarten. Alle anderen gehen in die Schule.


    Wir schauen noch in einige Zimmer der Kinder. Die Kinder zeigen uns gerne, wo und wie sie leben. Sie freuen sich sehr über unseren Besuch, denn wir haben auch einige Süßigkeiten mitgebracht. Ein paar von ihnen möchten fotografiert werden, was ich natürlich gerne mache.


    Wir lassen dieses Mal 150 Euro für Lebensmittel sowie 50 € für die Einkleidung des neuen Kindes da.

    Teil 4 -Otelec

    Ein weiterer Besuch galt Otelec, ein Dorf, das unter den verheerenden Überschwemmungen des Flusses Temes gelitten hat. Große Teile des Dorfes waren unter Wasser gesetzt, die Häuser, die mit Trockenziegeln aus Lehm gebaut waren, weichten auf und die Häuser stürzten ein.


    Unsere Autos waren beladen mit Decken und Kopfkissen sowie schöner Bettwäsche für den Kindergarten. Für die Kinder brachten wir Süßigkeiten, Malstifte und anderes mit. Jenni unsere Enkeltochter hatte uns 5 Euro von ihrem Taschengeld mitgegeben. Dafür haben wir für jedes Kindergartenkind eine Banane gekauft.


    Bevor wir in den Kindergarten gingen, machten wir einen kleinen Rundgang durch das Dorf. Neben alten baufälligen Häusern sahen wir die neu gebauten Häuser stehen. Sonst ist nicht mehr viel von der Katatstrophe sichtbar übrig geblieben.


    Hilfe für Kinder hat neben der Einrichtung, worüber wir schon berichtet haben jetzt, Bettdecken, Kopfkissen und Bettwäsche für den Mittagschlaf der Kindergartenkinder gekauft und übergeben. Im Kindergarten herrschte über unser Kommen eine große Freude. Wir verteilten die Geschenke und die Kinder schenkten uns einige selbstgemalte Bilder.
    Zum Mittagessen waren wir bei Clari S*. eingeladen. Clari kümmert sich um das Mittagessen der Kindergartenkinder. Sie kocht es zu Hause vor und bringt es dann in den Kindergarten. Leider sind nicht mehr genügend Sponsoren da, um alle Kinder im Dorf kostenlos mit Essen zu versorgen. Somit bekommen im Moment nur noch die Kindergartenkinder ein kostenloses Mittagessen.


    Wir suchen hierfür noch Sponsoren!


    Die Regierung hatte nach der Katastrophe Gelder zum Neubau von Häusern zur Verfügung gestellt. Die Größe des neuen Hauses richtete sich nach der Anzahl der im Haus lebenden Personen. Je nachdem wie groß die ehemaligen Häuser waren und wieviele Menschen in einer Familie lebten, bekamen sie nun ein neues einfaches Haus mit 1-3 Zimmern.
    Die meisten Häuser sind nun fertig gestellte, jedoch ohne Inneneinrichtung und ohne sanitären Gegenstände, ohne Heizung oder ohne Öfen. Da die Menschen aus Otelec alles verloren hatten, haben sie auch kein Geld, um die Innenausstattung selber zu finanzieren.


    Hilfe für Kinder hat im ersten Sommer Schaufeln Spaten, Rechen und Äxte gekauft, vor dem letzten Winter Öfen, jetzt in diesem Jahr, weitere Öfen, denn es sind immer noch nicht alle Häuser fertig gestellt. Auch Sanitärartikel wie Duschen, WC, Waschbecken und Wandfliesen finanzierte Hilfe für Kinder.


    Im Frühjahr wurden 900 Obstbäume gekauft, im Frühjahr 2007 werden noch 700 weitere Obsbäume gekauft. Möbel, Kleidung und Hausrat wurden von anderen Organisationen gespendet.


    Wir hatten Gelegenheit, mehrere der neu erbauten Häuser auch von innen zu besichtigen. Für unsere Verhältnisse sehr spartanisch gebaut, aber die Menschen aus dem Dorf sind froh, wieder ein Dach über den Kopf zu haben.

  • Teil 5 - Arme Familie B.


    In einem alten Bahnwärterhäuschen lebt eine Familie mit 9 Kindern. Das Haus hat keinen Strom, kein fließend Wasser nur einen Brunnen. Es gibt nur zwei Räume, davon ist einer beheizt und einen Vorraum mit kleiner Küche.


    Das jüngste Kind ist 2 , die Zwillinge sind 4 Jahre alt. Hilfe für Kinder hat Sponsoren gefunden, der regelmäßig die Kindergartenbeiträge und die Krippe bezahlen.


    Die größeren Kinder gehen in die Schule. Wäsche wird im Trog draußen gewaschen. Das Einkommen ist sehr gering, da der Vater nur ab und zu als Gelegenheitsarbeiter arbeitet. Auch die Mutter arbeitet noch zusätzlich ab und zu als Putzfrau.


    Die 17-jährige Tochter ist krank. Sie leidet seit 5 Monaten an Kopfschmerzen. Sie hat lange Medikamente genommen, die aber nichts gebracht haben. Sie wird jetzt gründlich von Ärtzen untersucht, um die Ursache herauszufinden. Hilfe für Kinder bezahlt die Kosten für diese Untersuchungen. Es gibt auch einen Sponsor für Brennholz, Lebensmittel und Milch.


    Wir suchen immer noch Unterstüzung für anderes wie z. B. Pampers, Kleidung, Waschmittel etc.

  • Teil 6 - Otniel und Voiteg


    Vor den Toren Temesvar liegt Otniel, das christlich geleitete Kinderheim mit kleiner Landwirtschaft. Ursprünglich von einem holländischen Verein gegründet und 5 Jahre finanziert, müssen die Bewohner jetzt selber sehen, wie sie zurecht kommen. Für die Erwachsenen und 21 Kinder nicht immer einfach.


    Wir werden freundlich empfangen und durch das Haus geführt. In einem Raum sitzen viele Kinder und machen Schularbeiten. Zwei Kinder treffen wir in der Küche an, die dort Kartoffel schälen.


    Die Küche mit dem langen Esstisch ist blitzblank geputzt. Im Treppenhaus sehen wir ein Kind gekonnt das Treppengeländer herunterrutschen. Wir schauen uns die Kinderzimmer an. 3 Jungen zeigen uns freudig ihr Reich. Draußen spielen Kinder Ball auf dem großen Gelände. In einem Nebengebäude wird Käse gemacht. Es gibt Kühe, Schweine und Hühner.


    Natürlich haben wir einiges mitgebracht und lassen auch Geld da. Nur 1/3 der gesamten Kosten ist gesichert, der Rest wird versucht durch Spenden zu bekommen, notfalls wird gebetet.


    Unser letzter Ausflug galt Voiteg Das Dorf war 1991 durch zwei Erdbeben im Abstand von 5 Monaten stark getroffen und viele Häuser waren beschädigt. Bei meinem ersten Besuch 1992 haben wir mit meinem Vater und Mechtild Gollnick Voiteg besucht und waren erschüttert.


    Heute war unser Wunsch, noch einmal in das Dorf zu fahren. Damals wurde von Hilfe für Kinder Geld zum Wiederaufbau zur Verfügung gestellt und Sachgüter zur Linderung der aktuellen Not gegeben. Nun sitzen wir bei Frau L. im Haus. Sie ist heute 82 Jahre alt und ganz allein auf sich gestellt.


    Ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben, die Kinder leben schon lange nicht mehr in der Gegend. Den Garten kann sie nicht mehr bestellen, sie fühlt sich alleine gelassen und hat keine Freude mehr am Leben.


    Solch ein Schicksal ist bedrückend und wir können nicht viel helfen. Wir bringen einige Lebensmittel mit, geben etwas Geld, damit sie sich Holz kaufen kann, aber ihre Einsamkeit werden wir ihr nicht nehmen können.


    Damit endet mein Bericht aus Rumänien. Im nächsten Jahr fahre ich wieder hin und werde bis dahin eifrig Spenden sammeln, damit ich im nächsten Jahr noch mehr Geld mitnehmen kann.


    Werden Sie auch helfen?


    Petra Kaiser