Mit Entsetzen stellte ich fest, dass ich zwar den Fotoapparat hatte, aber nicht die dazugehörige Fototasche. Und in dieser Fototasche befanden sich immerhin unsere Reisepässe, Internationaler Führerschein, Führerschein, Kreditkarte, meine Sea-Pass-Card, 1 Ersatzakku, 2 Compact Flash Karten, 1 Paket Taschentücher, die Adresse von Nicky aus Somoa und ... mein gerade erst in Singapur teuer gekaufter Objektivdeckel.
Na toll, wir wurden leicht nervös. Ich lief noch einmal um den Baum rum, um zu schauen, ob ich nicht doch vielleicht die Tasche beim Fotografieren abgelegt habe, aber nö, so was mache ich nie... Sie muss im Bus sein. Also schnell wieder rüber. Aber der Bus war natürlich weg.
Ein Taxifahrer, der uns beobachtete, sprach uns an, ja er hat den Bus gesehen und auch gesehen, wie wir alle ausgestiegen sind. Wir erzählten ihm, dass die Fototasche mit den Sachen weg sei. Er bot sich an, uns zu helfen, aber zuerst gingen wir in noch einmal in den Supermarkt und fragten dort und auch beim Western Union Schalter nach. Nein, sie haben nichts gefunden.
Nun fuhr der Taxifahrer mit uns zum Schiff und er berichtete der Port Police, was geschehen war. Da ich den Tour Guide fotografiert habe, konnte ich dem Taxifahrer ein Bild zeigen und er erkannte ihn. Die Port Police meinte, wir müssen zur Hauptpolizeidiesntstelle und da fuhr er uns hin. Unser Herz war längst in die Hose gerutscht.
So ein Mist. Einmal nicht aufgepasst und schon ist es passiert.
In der Polizeistation erzählten wir unsere Geschichte. Ich war mir zu 100% sicher, dass ich die Tasche im Bus gelassen hatte.
Ich zeigte ihnen das Bild von Mr. Bond.
Allerdings baten wir auch, ob sie bei Two-Dollar-Beach anrufen könnten, denn vielleicht habe ich sie doch da gelassen, was ich mir zwar nicht vorstellen konnte, aber sicher ist sicher. Nach einer langen Weile fragten wir nach, ob sie die Strandbar erreicht haben, nein, sie haben keine Telefonnummer, antwortetetn sie. Aber ich habe sie und zeigte das Bild mit dem Schild und den Nummern. So riefen sie an und natürlich war meine Tasche nicht da.
Immer wieder wurde ich nach dem Ablauf des Tages gefragt. Und immer wieder erzählte ich, wie es gewesen war. Dann suchte ich in meinen Bildern und sah, dass ich auch das Nummern-Schild des Busses aufgenommen habe.
Friedrich fuhr mit dem Taxifahrer zum Schiff und regelte dort alles, zumindest erstattete er Bericht, denn Friedrich konnte noch aufs Schiff, er hatte ja noch seine See-Pass Card.
Während dessen wurde ich immer wieder von den Polizisten befragt und immer wieder wurden Telefongespräche geführt. Der Oberboss der Polizei übernahm nun den Fall,es gab einen Schichtwechsel und er rief die Radiostation an, damit eine Meldung durchgegeben wurde, dann wurden alle Polizei-Stationen informiert und immer wieder hieß es:
we will do our very best.
Ja und ich saß auf der harten Bank in der Polizei-Station und malte mir alles Mögliche aus. Was machen wir, wenn... Um 14 Uhr waren wir bei der Polizei und um 19:45 h läuft das Schiff aus.
Irgendwann kam Friedrich wieder. Wir entschieden, einfach auf der harten Bank sitzen zu bleiben und abzuwarten. Vielleicht haben wir Glück. Wobei uns der Polizeichef nicht allzuviel Hoffnung machte. Immer wieder klingelte das Telefon und jedes Mal schauten wir erwartungsvoll, NEGATIV ...
Irgendwie haben wir noch nicht die Hoffnung aufgegeben... wieder und wieder wollten sie das Nummernschild sehen. Man sagte uns, sie haben schon 3 mal mit dem Busfahrer gesprochen und er hätte nichts gefunden und jetzt auf der 3. Tour könne er nicht noch einmal anhalten, er bringt die Passagiere weg und schaut dann noch einmal nach.
Dann ließ sich der Polizeichef noch einmal den Ablauf erzählen, dass wir von der Two-Dollar-Beach nirgendwo mehr angehalten sind, wir nur ausgestiegen und zur Western Union und ich dann zum Fotografieren des Baumes und dass ich mir ziemlich sicher bin, dass ich die Fototasche im Bus habe liegen lassen und dass nur wir mit 4 Paaren vom Schiff im Bus gesessen haben.
Gegen 16 Uhr: we have good news... ich: Passports? Did you found our passports?
Wait, we found all - you have to identify...
Boah, was waren wir glücklich, ich konnte es noch nicht fassen...
Dann kamen etliche Polizisten in den Raum und wen hatten sie in der Mitte mit Handschellen auf dem Rücken? Unseren Tourguide. Ich wollte es nicht glauben, so ein Sch...!
Er schaute nicht rechts und links und verschwand in einer Zelle.
Wir durften nun mit dem Chef in einem Polizeiwagen zu einer anderen Station fahren und dort übergab man uns doch tatsächlich unsere Sachen. Alles war da, ich hätte heulen können vor Freude.
Nur meine Fototasche und der Objektivdeckel blieb verschwunden. Diese Sachen hatte der Dieb wohl irgendwo weggeschmissen...
Wir haben uns artig bedankt und sind wieder zur alten Polizeistation gefahren. Dort musste nun noch ein Protokoll angefertigt werden, dass wir alles zurückbekommen haben und keine Ansprüche stellen. (typisch amerikanisch!)
Als der Chef mal kurz weg ging, gab man mir schnell die Taschentücher und das Akku, sowie den Zettel mit der Adresse: Put it in you bag. Ich verstehe, dann braucht er keinen Bericht darüber zu schreiben.
Na gut, es wurde noch eine halbe Stunde geschrieben, dann war das Druckerpapier alle. Macht nichts, uns konnte heute nichts mehr passieren, wir hatten unsere Pässe zurück.
So richtig rausgerückt sind sie aber nicht, wie sie den Typ nun "hops" genommen haben. Wir hörten was von, ein Verwandter eines Polizisten hätte einen Hinweis gegeben oder so. In jedem Fall war Mr. Bond noch in dem besagten Bus und hatte alle Sachen von uns dabei. Wie gut, dass ich wenigstens die Nummer des Busses und auch ein Bild von Mr. Bond aufgenommen habe. Sonst wären unsere Chancen gleich NULL gewesen.
Wir unterschrieben das Protokoll und waren happy wie schon lange nicht mehr. Der Versuch, etwas für die Kaffeekasse da zu lassen, scheiterte kläglich...
Danke liebe Polizisten aus American Samoa, you did a great job! 
Wir gingen nun noch zum Supermarkt und erzählten dort unsere Geschichte, sie haben sich mit uns gefreut, wie so viele andere.
An diesem Tag sind wir nirgends mehr hingegangen, denn wir waren zwar erleichtert aber unsere Nerven flatterten doch.
Bild 1: Polizeistation von Pago Pago
Bild 2. der Supermarkt