Hi,
hier kommt der nächste Teil. Es ist manchmal schwierig, Internet-Anschluss zu bekommen. Abends sind wir meistens so kaputt, dass ich keine Lust mehr habe, irgendwo hinzufahren. Auf den meisten Camping-Plätzen gibt es keine Verbindung...
26. Juni
Roros bis Sandvik über Trondheim
23731 - 23933 202 Etappenkilometer, die es in sich hatten
Der Tag fing so schön an. Es regnete mal nicht und so beschlossen wir, uns Roros, die alte Bergbaustadt anzuschauen.
Schon im 17. Jahrhundert wurde in Roros wertvolles Kupfer gefunden und so wuchs die Stadt schnell, denn auch aus Dänemark und Deutschland kamen Menschen, um im Bergwerk zu arbeiten.
Heute wird nichts mehr abgebaut, der Hüttenbetrieb wurd erst 1977 eingestellt.
Über allen Häusern thront die Kirche Bergstadens Ziir (zu Ehren Gottes und zur Zierde der Bergstadt). Sie wurde 1784 fertig gestellt. Mit ihren 1600 Sitzplätzen ist sie eine der größten Kirchen im ganzen Land.
Die Kirche gehörte bis 1865 dem Kupferwerk, diese hatte auch die Kosten für den Bau getragen. (etwas 23.000 Riksdaler. Ein Grubenarbeiter bekam zu der Zeit etwa 50 Riksdaler im Jahr). Danach wurde die Kirche von der Gemeinde übernommen. Bis 1888 gab es keine Heizung in der Kirche. Rechts saßen die Männer und links die Frauen, die Oberklasse durfte vorne sitzen. Die Ärmsten saßen in den Galerien. Die Treppen führten von außen hinauf.
Wir schlendern durch die Gassen der Stadt und kommen an vielen alten Holzhäusern vorbei. Teilweise liebevoll restauriert sind sie ein Zeugnis der alten Geschichte. Wir schauen uns in der Kirche um und sehen die alte Orgel, das gewaltige Altarbild. Sie ist einfach schön diese Kirche. Wir dürfen gerne Bilder knipsen und machen davon reichlich Gebrauch.
In einem Coop kaufen wir ein, Brot, Käse, die Männer Bier in einer 1,5 l Flasche und ich begnüge mich mit einer Cola und etwas Obst.
Wir packen unsere sieben Sachen und fahren los. Das Wetter ist gut, wenn auch kalt. Wir kommen voran. Heute haben wir nicht so viele Kilometer vor uns und so lassen wir uns Zeit. Als erstes wollen wir uns Kvitsanden anschauen, vermutlich die nördlichste Sandwüste der Welt. Nach der Eiszeit lagerten sich hier Kies und Sand in großen Mengen ab. Richtig, es ist ein riesiger Sandberg mit weißen Dünen. Ich habe es mir irgendwie anders vorgestellt und fand es nicht soo umwerfend.
Weiter geht es. Friedrich hält bei einem Wasserfall und einer alten Brücke an, damit ich ein Foto machen kann. Da war die Welt noch in Ordnung...
Ungefähr 40 Kilometer später bekommt die XS 650 einen "Anfall" und es geht nichts mehr. Die Männer stellen fest, dass kein Benzin ankommt. Da kann man machen, was man will, sie springt nicht an. So ähnlich wie gestern. Wieder wird am Straßenrand alles aus- und wieder eingebaut, die Mimik besagt nichts Gutes. Sie wissen keinen Rat. Ich bleibe bei der Maschine und Friedrich und Dieter fahren in die nächste Ortschaft, um Hilfe zu holen.
Was für ein Ende...
Als sie wiederkommen, haben sie einen Abschleppwagen bestellt. In Trondheim gibt es eine Yamaha-Werkstatt. Während wir auf den Abschleppdienst warten, planen wir, was wir machen werden falls...die Maschine nicht mehr in Gang kommt...
Der Dienst kommt an, aber es ist der falsche, wir sollen 600 Euro bezahlen, nein, das machen wir nicht, denn wir sind ja im ADAC. Das ist die Konkurenz meint der Fahrer. Er ruft die von mir genannte Nummer an und telefoniert und telefoniert. Er lässt sich die ADAC-Nummer geben unsere Adresse, alles seltsam, dann meint er, in einer Stunde kommt der andere Abschleppdienst.
Während wir warten, gehen uns so allerlei Gedanken durch den Kopf, was wäre, wenn, hätte, müsste, sollte...
Die Zeit vergeht, es kommt kein Abschleppdienst. Ich rufe noch einmal in oslo an, sie würgen mich ab, also warten wir weiter. Nach fast 2 Stunden hat Friedrich plötzlich eine Idee. Lass und mal hier noch einmal schauen, sagt er zu Dieter. Gesagt getan, die Schraubendreher gehen von einer Seite zur anderen und Dieter sagt plötzlich, ja, das wars, die Maschine springt gleich an. Ich verstehe nur "Bahnhof" aber das Wunder geschieht, die Maschine sprang an.
Des Rätsels Lösung:
Es war die Antriebswelle für die Zündeinrichtung. Klasse, nun ist alles wieder in Butter. Super, dass der Abschleppdienst uns im Stich gelassen hat.
Wir bepacken die Maschinen wieder und es geht los. Was sind wir glücklich, dass wir nun endlich wissen, was es war. Der Urlaub ist gerettet...
Geschafft fahren wir weiter. Es ist spät geworden, aber da es lange hell bleibt macht es uns nichts aus. Die ganzen letzten 80 Kilometer bis Trondheim begegnet uns kein Abschleppdienst. Da ist anscheinend etwas falsch gelaufen, oder wir wurden ordentlich gelinkt...
Rund um Trondheim fanden wir keine freien Hütten. Irgendwie hatten wir keine Lust weiter zu suchen und fuhren durch Trondheim durch, bis wir nach Sandvik kamen. Ein toller Platz...
Viele Grüße
Petra