Beiträge von angelika

    Das Aufstehen fällt schwer, aber es ist mächtig was los an Bord, allgemeine Vorbereitung zum Verlassen des Schiffes.

    Das Personal hat schon Stunden gearbeitet, Biergarnituren sind aufgestellt, ein Badeplatz geschaffen, die bewaffneten Wächter stehen auf ihren Posten und rote Fahnen markieren das Gebiet, in dem wir uns frei bewegen dürfen.

    Aber zuerst werden alle zusammen mit dem Nordpolschild fotografiert, dann umrunden - nach einer weiteren prägnanten Rede des Expeditionsleiters - alle gemeinsam mit den Händen auf den Schultern des Vordermannes in einer Minute die Erde.

    Strahlende Gesichter und strahlender Sonnenschein!

    Die ersten Mutigen bewegen sich zum Natur-Pool, Wassertemperatur minus 1,5 Grad. Gut, dass alle an einem Seil festgebunden werden, die Eifrigen, die schnell kraulend bis zum Schiff geschwommen sind, mussten fast zurückgezogen werden.
    Ein Wodka hat die Lebensgeister wieder erweckt.

    Zu zweit umlaufen wir das Schiff am Rande der Fahnen, gigantisch, wie dieser Riese, umgeben von Eis-Eis-Eis-Eis, vor uns steht. :rolleyes

    Und die Ballonfahrt hat Spaß gemacht, nochmal eine andere Perspektive um zu sehen, was sich die Leute so haben einfallen lassen für diesen Tag.
    (Sobald ich in der Lage bin, stelle ich die GoPro Videos ein.)

    Mit Laptops sich vor dem Schild fotografieren lassen, das Schmusetier am Pol, ein Maler, der seine Staffelei mitgebracht und das Schiff hier gezeichnet hat, Chinesen, die sich wälzen.....
    Ach ja, nicht zu vergessen ein Schotte, der seine Golfschläger mitgenommen hat, um sich beim Abschlag fotografieren zu lassen und ein Mann, der in Boxershorts seine Yoga-Übungen machte.
    Mein Mann hat sich winkend auf den Anker gestellt und ich habe mit einem oberschenkeldicken Tau das Schiff gezogen, den Schlitten, mit dem das Personal das Essen gebracht hat, haben wir für eine kurze Fahrt entführt.
    Also wie die kleinen Kinder, schöööön, dass das noch geht ;)

    Und dann gabs das BBQ, heißer Whisky vorab, Bratwürste, Rippchen, Maiskolben, gegrillter Lachs, Hähnchen etc. etc.
    Inzwischen sind wir auch mit der Crew verbrüdert und die Stimmung ist einfach klasse! :cheerleader

    Schade - um 16 Uhr hieß es: Alle an Bord, nun geht es zurück.
    :wweinen

    Mehrere GPS-Geräte und das Tuten des Nebelhorns zeigen optisch und akustisch den Pol an!
    Das Schiff stoppt einfach die Turbinen und bleibt stehen.
    Alle sind auf dem Bugdeck und prosten sich zu, egal aus welcher Nation.
    Entsprechend formulieren der Kapitän und der Expeditionsleiter ihre Reden: Ein friedliches Miteinander und Füreinander wie gerade in diesem Augenblick soll es nachhaltig auf der Welt geben.
    Die Chinesen entrollen Flaggen und starten Foto-Sessions.
    Bei bester Stimmung vergehen etliche Stunden - und am nächsten Morgen dürfen wir alle aufs Eis.

    Für uns hieß das eigentlich gleich anschließend, denn erstmals überhaupt ist ein Heißluftballon mit an Bord, samt zwei australischen Flugkapitänen, einer davon gebürtiger Russe, sonst wäre das nicht genehmigt worden.
    Nur 50 Gäste haben dieses Privileg und die Warteliste dafür ist genauso lang.
    Gegen 1:30 ins Bett gegangen, mit ein paar Gläschen Sekt im Kopf, kommt kurz darauf die Durchsage, dass der Ballon bereit sei.
    Also schnell (so schnell wie möglich in schlaftrunkenem Zustand) in alle Zwiebelschichten hinein, raus aufs Eis, um das Schiff gelaufen, den Ballon halb geöffnet gesehen und die Meldung bekommen: Der Wind ist zu stark, geht wieder schlafen!

    Aber wenigstens ein Privileg: Wir waren neben der Balloncrew und einem Besatzungsmitglied die ersten Menschen 2012, die den Nordpol betreten haben, gääähhhnnnn

    Dank der 75.000 PS schafft sich unser Schiff durch die Eismassen, was nicht ohne Getöse von statten geht. Aber man gewöhnt sich so schnell an das Krachen, dass es fehlt sobald das Schiff stoppt, um weitere Tierbeobachtungen zu ermöglichen.

    Beim Dinner gibt der Kapitän bekannt, dass der Pol in wenigen Stunden erreicht werden wird und eine große Party auf dem Bug vorbereitet wird.

    Bilder; Eislandschaft, Eisbrecher in Fahrt, Packeis

    Wir sind bei ca. 80° Nord und passieren Franz-Josel-Land, wo wir auf der Rückfahrt Exkursionen unternehmen werden.

    FJL wurde bei der großen Polarexpedition des K-und-K-Österreichs entdeckt, die Forscher haben das leider nicht überlebt und so ist eine andere Nation als erste zum Pol vorgestoßen, der nochmals ca. 900 km weiter nördlich liegt.

    Unsere Helikopterinstruktionen haben wir erhalten und nach dem Dinner musste Neptun um Erlaubnis gefragt werden, dass das Schiff weiterfahren darf. Mithilfe von Wodka wurde die Bitte erfolgreich beschieden.

    Jupp
    Es gibt immer eine Verhandlungsbasis, bei TUI-Wolters hätte ich 3.700 EUR pro Person (Listenpreis) mehr bezahlt.
    Vom gesparten GEld kann ich die beiden nächsten Urlaubsreisen finanzieren :cheerleader

    Sonja,
    schöööön - und ein bißchen habe ich mich wiedergefunden!

    Petra: Unsere Kabine war 11qm groß, dazu 2,3 qm Nasszelle.
    Ein Kastenbett, 80cm breit inkl. Rahmen, drunter Schubfächer für die Kleidung.
    Mein Mann schlief auf dem Sofa-Bett, tagsüber als Sitzplatz genutzt, immerhin 90cm breit.
    Dann gabs noch einen Stuhl und ein kleinen Schreibtisch, darüber einen Hochschrank, einen schmaler Kleiderschrank. Zu zweit sich gleichzeitig zu bewegen war schwierig. Und der Charme von Möbeln unserer 60er Jahre. Braungemustertes Sofa, sehr kleines Waschbecken....

    Aber natürlich gab es Suiten verschiedener Größe, unsere japanischen Freunde hatten die größte und pro Person 29.999 US bezahlt, dazu noch eine kleinere für den Sohn. Das waren knapp 30qm, eigener Kühlschrank (brauch ich am Nordpol nicht wirklich) und tägllich ein Obstkorb (stand auch immer im Speisesaal).

    Unser Ziel war eh, die Natur nicht vom Zimmer aus anzugucken, zum Schlafen hat es voll gereicht, mein Bett war wirklich bequem, die Matratze schön hart.

    Noch ein paar wichtige Angaben zum Schiff, die ich vor lauter Begeisterung vergessen habe!

    Die 50 Years of Victory wurde nach 20 Jahren Bauzeit 2006 fertiggestellt, sie ist der neueste und leistungsstärkste Atomeisbrecher weltweit.
    Sie dient - ausser in den Sommermonaten Juni und Juli - als Arbeitsschiff in der Nord-Ost-Passage.

    Von der Möglichkeit, mit ihr den Nordpol zu bereisen, habe ich 2010 gelesen, von meinem Gatten nach einigen Monaten Diskussion die Buchungserlaubnis eingeholt und täglich das erste mögliche Buchungsdatum überprüft. Die beste Kabine der preiswertesten Kategorie habe ich leider nicht bekommen, aber die zweitbeste! Juchu - Danke, Herr Grahl von Leguan-Reisen!!!

    Bald hatten wir die Grenze zum Packeis erreicht, Robben und mehrfach Eisbären, laufend, liegend, stehend und springend auf dem Eis und auch schwimmend im Wasser beobachten können.

    Das mache ich seit 6 Jahren! Rasen weg, Beete her. Und Gewächshaus zum Vor-Ziehen.
    Verlacht von Nachbarn und Freunden: Arbeitsbeschaffung! Hast Du nix besseres zu tun?
    Der Aufwand rentiert sich doch nicht.

    Doch, und selbst wenn nur mental. Ich muss von März bis Dezember weder Salat noch Gemüse noch Obst kaufen.

    Zum Glück kann ich mir es zeitlich erlauben, bis auf Kartoffeln alles selbst anzubauen, meine Patienten kommen erst ab Nachmittag und die Praxis ist im Haus.

    Aber mit 30 hätte ich das für unvorstellbar gehalten - ich und Gemüseanbau, niemals! :ttturtle

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