Live aus Rumänien - 2017 - ein Reisebericht

  • Schon seit vielen Jahren fliege ich jedes Jahr im Dezember nach Rumänien und zwar nach Temeswar (Timișoara). Der Flug von Hannover startete schon um kurz nach sechs Uhr, also eigentlich noch zu nachtschlafender Zeit, dafür war ich aber schon um 12:30 Uhr an meinem Ziel.


    Diese Mal bin ich über Frankfurt geflogen und hatte eine schönen Anflug, wir flogen nämlich direkt über die Stadt. (siehe Bild)


    In Temeswar fanden Passkontrollen statt, da vor uns eine Whizz Air aus Tel Aviv gelandet ist, dauerten die Kontrollen einfach länger, denn ich stand in der verkehrten Schlange. Irgendwann war das auch überstanden, beide Koffer waren da und der Zoll ließ mich großzügig passieren. ;)


    Mechtild Gollnick von Hilfe für Kinder holte mich am Flughafen ab und wir fuhren erst einmal "nach Hause".

  • Auch dieses Jahr habe ich einiges an Spendengeldern bekommen und so sind wir gleich nach einer kurzen Pause losgefahren und haben bei Kaufland eingekauft.




    Da wir morgen zu Kindern fahren werden, haben wir für jedes Kind eine Banane und eine Süßigkeit gekauft. 115 Bananen haben wir abgezählt und ebenso viele Süßigkeiten. Das heißt wir hatten einen kompletten Einkaufswagen mit Bananen, dies verführte andere Kunden schon mal in den Wagen zu greifen, denn sie dachten wohl, dass diese zum Verkauf stehen. :D




    Dann mussten noch Lebensmitteltüten gepackt werden, für die Familien, die wir in den nächsten Tagen besuchen werden. In jede Tüte kam hinein:

    1 Flasche Öl

    1 Paket Zucker

    1 Paket Maismehl

    1 Paket Reis

    1 Paket Nudeln

    1 Dose Fisch

    2 Dosen Frühstücksfleisch

    1 Dose Fleisch

    1 Flasche Ketchup

    1 Tütensuppe

    1 Glas Paprikazubereitung

    etwas Schokolade







    So haben wir heute nur Vorbereitungen für die nächsten Tage erledigt und Termine vereinbart.


    Die Arbeit war erledigt, nun folgte der gemütliche Teil, mit Topy einen Rundgang machen, Evi und Kati begrüßen und dann war der Tag auch schon fast zu Ende.



    Viele Grüße
    Petra


    Kommentare und Fragen bitte in den Kommentar-Thread schreiben ;-)

  • Heute haben wir zunächst eine Schule in Temeswar besucht, in der hauptsächlich Roma-Kindern unterrichtet werden. Ich zitiere aus dem letzten Herbstbericht von Hilfe für Kinder:


    Besonders schlecht ist es mit der Schulbildung der Romakinder bestellt. Zwar werden – zumindest in Temeswar – die meisten Romakinder eingeschult, aber hier in der Regel in wenigen Schulen zusammen gefasst, so dass sie dort gegenüber den rumänischen Kindern in der Mehrzahl sind. Diese Absonderung hat erhebliche negative Folgen. In diesen Schulen sind zwar z.T. - dank großzügiger Finanzhilfe aus dem Ausland – die Unterrichtsräume und der Sportsaal gut ausgestattet, aber viele Lehrer unterrichten lustlos, fehlen oft und lassen dann den Hausmeister für Ruhe sorgen. Kein Wunder, dass die Kinder wenig lernen. Viele verlassen die Schule schon vor dem Abschluss.

    Wir bringen eine Kiste Bananen mit und jedes Kind erhält eine Süßigkeit, dies hatten wir gestern schon gekauft.

    Hilfe für Kinder unterstützt seit einigen Monaten einen Hilfsverein, der hier an dieser Schule tätig ist und ein Nachmittagsförderprogramm inklusive Hausaufgaben für die vielen Romakindern anbietet und ein Mittagessen sponsort.


    Wir treffen uns mit einer Mitarbeiterin des Vereins und besuchen mit ihr zusammen einige Klassen.


    Als wir die Klasse betreten, springen die Kinder auf, begrüßen uns fröhlich und singen für uns 2 Lieder. Das erste wurde jetzt für den Tag der Einheit (Ziua națională) am 1. Dezember einstudiert und danach sangen sie noch ein Weihnachtslied.






  • Nun gehen wir in eine andere Klasse und werden wieder mit einem Lied und selbstgebastelten Sachen überrascht. Es ist eine nette Geste den Sponsoren gegenüber, denn Hilfe für Kinder hat die Schule mit Jugendbüchern, Winterkleidung und Schulsachen unterstützt.


    Das Mittagessen wird durch eine Firma angeliefert, für viele Kinder bedeutet dies die einzige Mahlzeit am Tag. Dazu muss man wissen, dass nur Kinder in dieses Hilfsprogramm kommen, deren Familien ein Monatseinkommen von umgerechnet 125 Euro oder weniger zur Verfügung steht. Wie man sieht, gibt es viele davon. :wweinen








  • Nun fahren wir in das Dorf Bucovăț, es liegt ungefähr 10 Kilometer vor Temeswar. Der Hilfeverein unterstützt in 5 verschiedenen Dörfern Kinder in Schulen, der Einfachheit halber zitiere ich wieder aus dem Herbstbericht von Hilfe für Kinder:


    Zitat

    Arme Kinder in Dörfern erleben kaum Abwechslung. Seit einigen Monaten unterstütze ich einen Hilfsverein, der Kindern in 5 abgelegenen Dörfern Freizeitaktivitäten (Sport, Basteln), aber auch Informationen über gesunde Ernährung und Leseübungen anbietet, die notwendig sind, da viele Kinder nach Abschluss der 8. Klasse nicht in der Lage sind, einen Text zu lesen und den Inhalt zu verstehen. An den Aktivitäten dürfen alle Kinder bis zur 8. Klasse teilnehmen, vorausgesetzt, sie gehen zur Schule.


    Die Aktivitäten wechseln von Zeit zu Zeit. Als wir ankommen, gehen wir in einen Raum, der von dem Hilfeverein eingerichtet wurde.






  • Das Nachmittagsangebot von heute ist ein computergestützes Lernen der englischen Sprache. Das Programm wurde von dem Hilfeverein gespendet, die Computer sind Einrichtung der Schule.


    In zwei weiteren Räumen werden jüngere Schüler durch ältere Schüler mit guten Noten bei den Hausaufgaben unterstützt. Die Schüler, die helfen bekommen dafür 10 Lei (ca. 2,15 €), allerdings nicht als Bargeld, sondern es wird dafür etwas gekauft,


    Auch in diesem abgelegenen Dörfern sollen die Kinder ein Mittagessen bekommen. Mechtild und ich, wir haben uns überlegt, einen Teil meiner gesammelten Spenden, für die zukünftige Sicherung des Mittagsessen zu geben, denn dafür werden noch Sponsorengelder benötigt. Es ist schlimm zu hören, dass so viele Kinder hungrig in die Schule kommen.







    Das war unser Programm für heute. Wir fahren wieder zurück, nun müssen Abrechnungen und Vorbereitungen für den nächsten Tag gemacht werden.


    Viele Grüße
    Petra

  • Wieder zitiere ich von der Webseite Hilfe für Kinder:


    Zusatzunterricht für Romakinder im Dorf Dudestii Noi

    Die Unterrichtsbehörde bietet Romakindern im Dorf Dudestii Noi nachmittags zusätzlichen Unterricht an, damit sie ihre Romasprache erlernen können. Daran nehmen etwa 25 Schüler/innen der 1. - 8. Klasse teil, die am Lernen interessiert sind.

    Die meisten Romakinder sind bitter arm, so dass ihnen Turnschuhe (zum Schuljahres-beginn) und warme Jacken oder Stiefel (vor Weihnachten), die sie dank Spendengeld geschenkt bekommen, sehr helfen, dass sie in die Schule gehen können. Außerdem werden sie mit Schulmaterial unterstützt.






    Wir kommen nicht mit leeren Händen, die Kinder freuen sich über Bananen und eine Süßigkeit.


    Nachtrag, ich habe ja vergessen zu erwähnen, dass die Kinder uns erst ein Lied auf rumänisch vorsingen und als Mechtild fragte, ob sie nicht mal etwas in ihrer Sprache sagen können, da sangen sie ihre National- Hymne, das war schon sehr bewegend.


    In vielen Familien wird noch in dieser Sprache gesprochen und nicht in rumänisch. Als die Lehrerin das nachfragte, schnellten viele Finger in die Höhe.

  • Von der Schule fahren wir weiter zu einer alleinerziehenden Mutter mit mehreren Kindern. Dort wo sie zur Zeit wohnt, muss sie ausziehen. Hilfe für Kinder unterstützt sie beim Anbau von zwei Zimmern. Wir geben ihr einen Zuschuss für die Fenster und Türen.




    Die Kinder bekommen warme Mützen, Schals und Socken, die ich mitgebracht habe. Jedes Jahr bekomme ich ja ein großes Paket mit selbstgestrickten Sachen von den Damen in einem Damenstift, die sie das ganze Jahr über für mich stricken.




    Die Mutter erhält eine Lebensmitteltüte. Ich mache von der Familie ein paar Fotos. Die Mutter weint und später erfahre ich, dass das jüngste Kind an den Füßen operiert werden muss und sie Angst vor den Kosten der Ärzte hat. Generell sind die Kosten schon gedeckt, aber nicht die Nebenkosten und auch die Ärzte halten noch nebenher die Hände auf.




  • Während Mechtild mit der Mutter noch einige Dinge besprach, machte ich noch ein paar Fotos. Da ich meine Sofortbildkamera mitgenommen habe, bekam die Mutter ein Bild mit ihren Kindern sofort geschenkt. Darüber hat sie sich sichtlich gefreut.




    Die mitgebrachten Schoko-Weihnachtsmänner fanden große Zustimmung und wurden sofort verputzt.


    Von hier aus fuhren wir noch zu einer Familie, um ein defektes Laptop abzuholen, ich wollte es mir anschauen, ob man da noch etwas machen kann. Leider hat das Mädel das Laptop nicht aus der Schule mitgebracht und somit fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Hause.



    Das war´s dann wieder für heute.


    Viele Grüße
    Petra

  • Am nächsten Tag besuchen wir einige Familien, denen wir Lebensmittel, warme Pullis, Schals, Handschuhe und Socken sowie noch andere Kleinigkeiten vorbeibringen.






    Bei dieser Familie war ich auch schon einmal. Die kleine Maria, nimmt mich in den Arm und küsst mich ab, sie freut sich so sehr über den Besuch.






    Auch ihre Adoptivschwester freut sich sehr. Die Mutter kümmert sich sehr um die Kinder. Maria ist gut in der Schule, die Mutter fragt sie das kleine Einmaleins ab. Sie unterstützt das Kind so gut wie sie kann.




  • Es regnet in Strömen und die Fahrt ist nicht so schön. Wir fahren weiter nach Bencecu de Jos. Dort wollen wir eine Familie besuchen.


    Unterwegs werden wir von einem Auto überholt, es gehört zu dem Kinderheim, welches 2015 eingerichtet wurde und für 12 Kindern Platz bietet. So überlegen wir nicht weiter, sondern wir halten dort auch an.




    Im Kindergarten grassieren Läuse, wir lassen Geld für die Medikamente da.



    Ich erfahre die Geschichte von dem kleinen Mädchen (erstes Bild 3. von rechts). Als es geboren wurde, war es krank und kaum überlebensfähig. Das Krankenhaus hatte das Baby aufgegeben, die Mutter wollte es auch nicht haben, aber es bekam eine Chance in diesem Kinderheim. Nun ist sie etwas über 2 Jahre und sie hat es geschafft. Ihre Augen sind nicht gut, sie hat schon eine große Operation hinter sich und braucht noch eine weitere in der nächsten Zeit,


    Als wir so da standen, breitete sie ihre Arme aus und kam zu mir, egal obwohl sie Läuse hat oder nicht, sie schenkte mir ihr Vertrauen, das ist einfach mehr wert.

  • Unterwegs erfahre ich die traurige Geschichte von einer Mutter, die ihr behindertes Kind liebevoll betreute. Ich habe sie und ihr Kind auch kennengelernt. Das Kind kam in ein Krankenhaus, dort grassierten die Masern. Da sie jedoch nur in der Obhut ihrer Mutter aufgewachsen war, hatte sie keinerkei Abwehrstoffe und ist gestorben. :wweinen:wweinen:wweinen


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  • In diesem baufälligen Haus der Großmutter lebte bis vor kurzem eine junge behinderte Frau. Nun ist sie alleine und das Haus nicht mehr bewohnbar, denn es bricht nach und nach zusammen. Bewohner des Dorfes helfen ihr beim Bau von einem kleinen Anbau, ohne Bezahlung. Hilfe für Kinder unterstützt das Vorhaben und kauft Baumaterialien. Wir bringen auch eine Tüte mit Lebensmitteln vorbei.






    Es ist noch nicht alles fertiggestellt, aber sie kann schon in dem Zimmer wohnen. Fließend Wasser gibt es natürlich nicht, sie heizt mit Brennholz. Von Hilfe für Kinder bekommt sie eine Fuhre Holz.


    Wir gehen wieder zurück, es gibt nur einen Trampelpfad zu dem Haus, bei Regen eine sehr rutschige Geschichte. Dementsprechend sehen wir dann auch nach diesem Besuch aus.


    Wir fahren wieder zurück, der Verkehr in Temeswar ist heftig und ich bin froh, dass ich doch nicht fahren muss.


  • 1. Dezember - Nationalfeiertag


    Wir haben eine Verabredung mit Claudia Radu vom Verein „For help“ . Sie leitet seit vielen Jahren ehrenamtlich ein Tagesheim, in dem sie etwa 15 bedürftige Kinder liebevoll betreut und ihnen ein warmes Mittagessen, Hilfe bei den Hausaufgaben und Anleitung beim Basteln bietet. Mit Claudia Radu fahren wir heute zu einigen sehr armen Familien. Wir nehmen Mützen. Schals, Pullover, Socken und Lebensmitteltüten mit.




    Die erste Familie, die wir besuchen wohnt in einem leerstehenden Haus. Die Besitzer sind im Ausland und sie leben dort quasi illegal. Der Vater hat nur ab und zu eine Gelegenheitsarbeit. Das Mädchen ist 12 Jahre alt und geht zur Schule und am Nachmittag in die Betreuung vom Verein „For help“.




    Im Haus gibt es keinen Strom, sie haben nur eine kleine Batteriebetriebene Lampe, das ist alles. Die Besitzer des Hauses kommen im Frühjahr zurück, dann müssen sie raus und wissen noch nicht wohin. Die Frau spricht etwas deutsch. Sie will eventuell ins Ausland als Altenpflegerin gehen, da hätte sie eventuell eine Chance. Doch zunächst brauchen sie Brennholz, damit sie nicht frieren.




  • In vielen Familien gibt es familiäre Probleme, Frauen haben aber meist keine Chancen wegzugehen, wohin auch. So sind sie oft gewalttätigen Männern ausgesetzt, die oftmals auch alles Geld für Alkohol und andere Dinge ausgeben und somit zu wenig für das tägliche Essen übrig bleibt.



    Diesen Familien kann man dann mit regelmäßigen Lebensmittelspenden helfen.




    Die große Schwester ist zwölf Jahre alt und wird auch am Nachmittag von Claudia Radu betreut. Mit ihr konnte ich mich etwas in englisch unterhalten.