Endlich, gegen 1.30 Uhr, sind wir in Tamale. Sofort umringen uns Taxifahrer und einer „adoptiert“ uns gleich. Wir haben uns ein Hotel aus dem Reiseführer ausgesucht, bei dem das Doppelzimmer 7-9 Dollar kosten soll – Preis aus 2002. Preisangaben die, wie wir schon mehrfach festgestellt haben, deutlich nach oben korrigiert werden müssen.
Als wir endlich an unsere Taschen kommen und mit diesen zum Taxi eilen, werden wir von einem wütenden jungen Mann verfolgt, der offensichtlich Geld von uns will. Er faselt irgendwas davon, dass es sein Job sei. Ich halte ihn für einen Bettler und reagiere entsprechend unwirsch. Jan meint dann, er müsse beim Ausladevorgang hinten im Bus gewesen sein und hätte eine unserer Taschen einen kurzen Moment mit Jan zusammen in der Hand gehabt. Offensichtlich wollte er nun Geld für seine Hilfe – bekommt er aber nicht.
Die nächste Merkwürdigkeit ist, dass auf dem Beifahrersitz in unserem Taxi bereits jemand sitzt. Wir halten die Person für einen Freund des Taxifahrers. Das Taxi selber sieht aus, als würde es gleich auseinander fallen. Heftige Risse in der Windschutzscheibe, die Rücksitzbank ohne Polsterung, so dass man ihr Innenleben spürt.
Als der Fahrer losfährt hat er Schwierigkeiten durch das enge Tor des Busbahnhofs zu kommen. Dafür scheint er zunächst ohne Licht zu fahre und überfährt mehrere rote Ampeln. Wir landen auch nicht beim Picorna Hotel, sondern beim weiter entfernten Las Hotel. Dort wird der Fahrgast vorne herausgelassen. Die Männer unterhalten sich noch eine Weile hintern dem Auto und bekommen schon Versionen von dunklem Hinterhalt und überfall. Doch dann geht es tatsächlich zum Picorna Hotel. Dort soll ein „Triple“ 378.000 Cedi kosten, was wir ziemlich teuer finden. Wie bitten daher den Fahrer uns zum Las Hotel zu bringen. Doch dort ist ein EZ und ein DZ noch teuer - ein Triple gibt es nicht. Wir bitten den Fahrer uns dann zum Picorar zurückzubringen.
Das angebliche Triple entpuppt sich als ein Zimmer mit einem großen Bett und drei Kissen. All drei schlafen in diesem einem Bett? Mittlerweile ist es 2.00 Uhr und uns ist alles egal. Wir entscheiden zu bleiben und fragen den Taxifahrer was er zu bekommen hat, denn erstmalig auf der Reise hatten wir dass nicht beim Einstiegen geklärt. Bei der Antwort: 150.000 (ca. 13 Euro) denken wir zunächst, wir hätten uns verhört. Doch das war sein Ernst-. Ich biete im 40.000 und er meint 40.000 pro Person wäre es, wenn er uns nur in diese Hotel gefahren hätte. Ich meine wieso pro Person, uws. Waren wir an ein Sammeltaxi geraten? Aber die sich auch nicht so kostspielig. Irgendwas ist hier faul, der will uns ausnehmen. Wir bleiben bei unserem Standpunkt. Er erzählt was davon, dass 40.000 für die Fahrt noch nicht einmal für das Benzin reichen würden. Laut Karte sind es gut 1 km bis zum Picorar Hotel, und von der Busstation bis zum anderen Hotel nicht mehr als 4 km. Alles in allem ist er also 6-8 km gefahren und 1 l Super kostet hier ca. 8.000 Cedi, also ca. 0,70 Ct und seine Ausführungen sind alles Quatsch. Wir erklären ihm, dass wir bereits die Preise kennen. Er meint aber, die Preise in Tamale seien höher. Droht mit Polizei. Mittlerweile stehen wir an der Rezeption. Ich lege dort die 40.000 hin. Er versucht den Nachtportier für sich zu gewinnen, der aber ist müde und guckt gelangweilt. Er ergreift für niemanden Partei. Jan holt einen 20.000 Cedi Schein heraus, nimmt die 40.000 und erklärt: 20.000 für Busstation Picorar, 20.000 Picorar-Las Hotel und 20.000 Las Hotel-Picorar. Dann legt er die 60.000 ab und wir drehen uns um, lassen den Taxifahrer stehen und gehen ins unser Zimmer, das wir hinter uns abschließen. Niemand folgt uns, niemand droht die Tür einzutreten, keine Polizei. Als wir die Überdecke abziehen sehen wir, dass es zwei getrennte Betten sind, also kein Triple, sondern ein Twinbed ist. Wie wir am nächsten Morgen erfahren, gibt es gar keine Triple-Zimmer in diesem Hotel. Heute ist mir alles egal. Ich packe die Überdecke zusammen und lege sie als dünne Matratze auf den Boden vor das Bett. Die Klimaanlage geht nicht – auch das ist uns jetzt egal. Laute Discomusik und Stimmengewirr dringen vom Flur herein – aber irgendwann übermannt uns der Schlaf.