Auf dem Jakobsweg unterwegs - Camino francés

  • Hallo,


    nun ist es wieder soweit, ich starte meinen zweiten Jakobsweg. Nachdem ich im letzten Jahr auf dem Camino Portugués gepilgert bin, möchte ich in diesem Jahr ein Stück auf dem Camino Francés pilgern.


    Ich starte in Saint Jean Pied de Port (Frankreich) und habe vor, 280 Kilometer bis nach Burgos (Spanien) zu pilgern.


    Hier habe ich ein kleine Skizze angefertigt, dort habe ich alle von mir angedachten Etappen eingezeichnet.




    Ich werde mich von unterwegs melden.

    Viele Grüße
    Petra


    Kommentare bitte in den Kommentar-Thread schreiben. :-)

  • Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt...


    Gestern Abend erreichte mich noch die Hiobsbotschaft, dass mein Flug nach Paris gestrichen wurde. Der Flughafen in Hannover wurde wegen Hitzeschäden gesperrt und über 40 Flüge konnten ab 19 Uhr nicht mehr starten. Da an der Ausweichbahn Reparaturen durchgeführt werden, musste nun in der Nacht das Malheur ausgebessert werden. Übrigens, wir hatten gestern bei uns 34 Grad im Schatten, das ist auch schon eine Hausnummer!


    Ich hatte ein paar unruhige Stunden, denn ich musste nun alles umorganisieren, denn ich will ja schließlich noch nach Saint Pied de Port.


    Air France buchte mich nun um 14:20 über Frankfurt nach Bordeaux um, ich musste meine Zugtickets ab Bordeaux streichen (ohne Erstattung) und habe mit nur einer knappen Übergangszeit für den Transfer vom Flughafen zum Bahnhof eine Erstazbuchung bekommen. Sollte das klappen, dann ist alles in Butter, wenn nicht hänge ich erst einmal in Bordeaux fest.


    Ich werde berichten!


    VIele Grüße
    Petra

  • Guten Morgen! Heute muss ich nicht so früh los, daher will ich noch ein paar Bilder hochladen.


    In den Kommentaren zu diesem Reisebericht habe ich ja schon das Wichtigste von dieser Reise beschrieben. Es war doch sehr anstrnegend und vor allem ungewiss. Durch die vielen Verspätungen hat so gut wie nichts geklappt.


    Mit dem Zug fuhr ich pünktlich nach Hannover, dann flog ich verspätet nach Frankfurt und von dort ging es auch wieder verspätet nach Bordeaux. Dreimal habe ich meine Zugticktets online buchen müssen, denn mit jeder Verspätung schaffte ich den Zug nicht mehr, den ich nach Bayonne und Saint Jean Pied de Port gebucht hatte. Egal, das muss ich verschmerzen.


    Die Zeit in Bordeaux von der Ankunft des Fluges und der Abfahrt des Zuges reichte auch nicht aus, um den günstigen Bus in die Stadt zu nehmen. Da waren dann gleich 60 Eucro für ein Taxi fällig.








  • Ein paar Bilder vom Bahnhof innen, alles ist sehr ordentlich und sauber. Die Zugfahrt war prima, Da ich nur einen Platz in der ersten Klasse bekommen habe, hatte ich einen bequemen Einzelsitz mit Steckdose und USB-Anschluss. Die Züge werden nicht überbucht. Es werden nur so viele Plätze verkauft, wie auch Sitzplätze vorhanden waren.








  • Auch der Zug hatte Verspätung, er musste auf einen Anschlusszug warten. Na ja, egal, von Bayonne kam ich eh nicht weiter. Der letzte Zug ist schon vor langem abgefahren.


    Daher musste ich mir leider wieder ein Taxi nehmen, Dieses Mal war es richtig teuer, denn ich bezahlte 145 Euro, aber ich hatte keine Wahl.


    Die Strecke kam mir doch sehr bekannt vor, denn ich war schon einmal in diser Gegeng und wir sind hier auch gefahren. Enge schmale Straßen, so dass ich ein paar Mal die Augen schließen musste, denn der Taxifahrer fuhr sicher umsichtig aber manchmal einfach viel zu schnell. In der Nacht beachtet man wohl keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.


    Er fand meine Unterkunft auf Anhieb. Als erstes packte ich meine Sachen ins Zimmer und ging auf ein schnelles Bier in eine Bar direkt vorm Haus. Ich hatte Glück, sie wolltenm gerade schließen, aber ich bekam eines. Das habe ich gebraucht!






  • Am nächsten Tag habe ich dann erst einmal nicht die Kurve bekommen. Ich habe mir für diesen Camino einen Rucksacktransport gegönnt. Das heißt, dass ich nur einen Tagesrucksack mit auf den Pilgerweg nehme und das große Gepäck "fahren" lasse. Da ich Probleme mit meinem rechten Arm habe, bin ich über diese Entscheidung mehr als froh.


    Ich hatte es mir so vorgestellt, dass ich am ersten Tag nicht so früh loslaufen muss, es sind ja nicht so viele Kilometer, den Rucksack abgebe und dann noch in Ruhe ein wenig Bericht schreibe. In der Nacht fiel mir dann ein, dass ich das Laptop ja auch in den Rucksack stecken muss.


    Den Wecker habe ich auf halb acht gestellt und dann fing ich mit dem Bericht an. Gerade als ich bei Erhard auch ein paar Bilder reinsetzen wollte, brummte mein Handy. So schnell konnte ich nicht abnehmen, sah aber eine französische Nummer. Ich ahnte schon, wer das war...:KKopffass2


    Ich rief zurück und ja, es ging um meinen Rucksack, sie wollten ihn abholen. Ich lag aber noch im Bett und es war noch nichts gepackt. {v


    Als erstes versuchte ich sie zu überreden, dass ich den Rucksack ins Office bringe, aber nein, der Abholer stand schon vor dem Haus.


    Give me two minutes!


    Es war klar, dass ich das alles nicht in zwei Minuten schaffen konnte, aber sie war einverstanden. Ich also aus dem Bett raus, schnell angezogen, alles in den Rucksack gestopft, was ich nicht in den Tagesruckack mitnehmen wollte und dann klopfte es schon an meiner Türe.


    Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das so nicht gut geklappt hatte. Ich fand noch viele Sachen, die ich nun im Tagesrucksack mitschleppen musste. Egal, so ist das halt.


    Nun machte ich mich richtig fertig und verließ das Hotel. Irgendwie war mir die Lust auf ein Frühstück verflogen, so ging ich ein wenig durch den Ort Saint Jean Pied de Port. In der Touristeninformation holte ich mir den ersten Stempel ab und eine Karte von dem Ort.


    Es ist ein netter baskischer Ort mit einer Zitadelle und vielen hübschen Häusern hinter der Stadtmauer mit vielen Toren.











  • Irgendwo sah ich ein Schild: Sandwiches, prima, ich brauchte unbedingt ein wenig Wegzehrung, denn unterwegs sollte es nichts geben. Wie schön, dass ich mein französisch wieder ein wenig aufpolieren kann und ja es klappte, man verstand mich.


    Nun gehe ich noch in die Kirche und zündete eine große Kerze an, gleich für alle, die es gebrauchen können. Für mich natürlich auch...







  • Es wird Zeit für ein Frühstück, ich sehe ein Schild mit Crêpe und will mir eins mit "miel" bestellen, doch diese gibt es erst am Nachmittag. Dann eben nur einen Café au lait.


    Mein Hunger ist eh nicht groß, dann kann ich auch darauf verzichten. Also geht es nun los:


    1. Etappe von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Orisson 7.4 km 12.487 Schritte


    Sobald ich die Stadt durch das Spanientor verlassen habe, muss ich mich entscheiden, welchen Weg ich gehen möchte. Da das Wetter gut ist, es ist sogar recht kühl, entscheide ich mich für den anstrengenderen Weg mit den vielen Höhenmetern, die ich überwinden muss. Noch ahne ich ja nichts...


    Ich befinde mich nun auf dem Chemin de Compostelle, das erste Hinweisschild zu meiner Unterkunft ist auch schon zu sehen.


    Es geht richtig steil nach oben und ich komme schon das erste Mal außer Atem. Ok, das heißt, ich muss langsamer gehen.


    Auf dem letzten Bild sieht man die beiden Möglichkeiten. Der gelbe Weg ist einfacher und diesen kann man auch im Winter nehmen. Der rote Weg ist die Route de Napoleon, wesentlich höher und steiler.







  • Bänke zum Ausruhen gibt es unterwegs nicht, man setzt sich ins Gras oder auf Baumstümpfe oder Steine, je nachdem, was man findet. Ich fand eine verwaiste Herberge, denn diese machen immer erst am Nachmittag auf. Die Terrasse lud mich einfach ein, Platz zu nehmen und daher machte ich meine erste Pause dort, aß ein wenig von meinem Baguette (sehr trocken sage ich nur, denn es wird nur Käse ohne Butter oder Sonstiges genommen) und trank Wasser dazu.


    Gegenüber entdeckte ich einen Automaten mit Getränken und Süßigkeiten. Ich entschied mich für ein Mars. Sicher schon 10x geschmolzen und wieder eingefroren. Es hat aber geschmeckt!








  • Es geht stetig aufwärts. Ich habe richtig Glück mit dem Wetter, denn es ist wirklich angenehm, allerdings schwitze ich ohne Ende, die Luftfeuchtigkeit ist unheimlich hoch.


    Den Weg beschreibe ich mal als anstrengend und sehr anstrengend. Nun folgte wieder ein Stück, welches eben nicht so lustig war. Dafür war die Landschaft einfach nur grandios.








  • Ich brauche eine Pause! Nach viereinhalb Kilometern erreiche ich Huntto, eine private Herberge. Ich kaufe mir aus dem Automaten eine Dose Orangensaft und esse dazu das restliche Baguette. Hier mache ich die Bekanntschaft von Paul & Barbara, sie kommen aus Montana.


    Es gibt immer viel zu erzählen und so geht die Zeit dahin. Ich muss aber noch weiter, es sind noch zweieinhalb Kilometer bis zu meinem Ziel.








  • Über den nächsten Kilometer rede ich einfach nicht... es ging nicht nur steil nach oben, sondern es war auch noch ein schlechter Weg.


    Jedes Mal, wenn ich eine Kurve sah, dachte ich, nun hast Du es geschafft, nein dem war nicht so, es ging weiter und weiter.


    Irgendwann hatte ich es geschafft und war wieder auf einer Teerstraße. Ich war auch alleine unterwegs, andere Pilger habe ich nicht getroffen, außer denen die in Huntto übernachteten.








  • Ich wusste nun ist es nicht mehr weit, denn ich schaute ab und zu auf meinen Schrittzähler. ;-)


    Dennoch ging es weiter in die Höhe. Irgendwann sah ich dann die Herberge Orisson. Ich hatte sie schon früh gebucht, denn es gibt nicht so viele Plätze hier und der Weg nach Roncevalles ist noch weit und steinig!







  • Die Herberge war voll ausgebucht. Es war eine Gruppe Künstler aus Sizilien da, die ihre Vorstellungen mit dem Jakobsweg verbunden haben. Ich werde später noch mehr darüber berichten.


    Als erstes brauchte ich ein Bier, noch bevor ich mir das Zimmer anschaute. Ich setzte mich auf die Terrasse, leider war es total nebelig und ich vergaß auch ein Bild vom vollen Glas zu machen. Dann eben leer. An diesem Abend lernte ich noch viel Pilger kennen, aus Frankreich, aus London, aus Katalonien, aus Japan und ganz viel aus Italien.


    Nun ließ ich mir das Zimmer zeigen, bekam eine Duschmarke (nur 5 Minuten please!) und durfte mir ein Bett aussuchen. Es war ein Sechs-Bett-Zimmer, welches ich mit 5 netten Sizilianerinnen teilte. Diese habe ich aber erst nach dem Abendessen kennen gelernt.


    Nun hatte ich Zeit, (natürlich nach der Dusche) meinen Rucksack neu zu sortieren, das sollte mir nicht wieder passieren. Da es erst um 18:30 Abendessen gab, hatte ich noch Zeit, überspielte meine Bilder und machte eine erste Auswahl. Dann meldete ich mich zu Hause und schon war die Freizeit um, das Essen rief.


    Nach dem Essen, es gab Suppe, Hähnchen und Kartoffeln mit Erbsengemüse, für mich dann eine Quiche, dazu natürlich Rotwein und Wasser. Zum Nachtisch Reispudding, den ich aber weitergegeben habe.


    WLan gibt es nicht: please talk to each other!


    Leider fing es an zu nieseln und der Wirt machte die Türen dicht, so dass wir dann alle in die Zimmer verschwinden mussten. Ich habe mich dann noch nett mit den Sizilianerinnen unterhalten und irgendwann machten wir das Licht aus.


    Also diese Herbergen, das ist nichts für mich. Ich glaube, dafür muss man geboren sein. Na gut, ich habe es mal wieder probiert, aber das ist nicht mein Ding. Ich freute mich schon auf die nächste Nacht mit privatem Zimmer und privatem Bad.


    Das war´s für heute, habe ja auch genug geschrieben. Ich werde heute sicher gut schlafen!


    Viele Grüße

    Petra


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  • Petra

    Hat das Thema geschlossen
  • In einer Mehrbettunterkunft braucht man keinen Wecker zu stellen, man wird auch so wach. Irgendeiner raschelt immer. Es war aber auch schon kurz vor sieben und ab 7 Uhr gab es Frühstück. Schnell alles fertig gemacht und dann gab es Frühstück: Café au laît, warmes Bagutte, Butter und Marmelade, sowie Orangensaft.


    Für 4 Euro habe ich ein Baguette mit Käse bekommen, meine beiden Wasserflaschen füllte ich auf, denn es sollte unterwegs keine Möglichkeit geben, etwas zu essen oder zu trinken zu bekommen. Ich habe gehört und gelesen, dass auch diese Etappe sehr anstrengend sein soll.


    Hat es gestern noch geregnet, so begrüßte uns die Sonne in den frühen Morgenstunden.



  • 2. Etappe von Orisson nach Roncesvalles - 17.7 km - 29.528 Schritte, davon 12.487 Stufen


    Da nun fast alle zur selben Zeit aufbrachen, war es nun doch etwas "voller" auf dem Camino. Man traf sich immer wieder, denn jeder machte irgendwo mal Pause.


    So freute ich mich immer wieder, mal den Einen oder den Anderen wiederzusehen. Die italienische Künstlergruppe übte unterwegs für ihre Aufführungen. Da ich nicht genügend spanisch und italienisch kann, habe ich nicht so ganz mitbekommen, um was es alles geht.


    Die Gruppe heißt: La Macchina dei Sogni - (die Traumfabrik)


    Schon die ersten 4 Kilometer führen wieder stetig bergauf. Es ist recht frisch und der Wind bläst teilweise richtig gut. Wie gut, dass es trocken ist und die Sonne sich ab und zu zeigt.


    Vor frei laufenden Tieren darf man keine Bange haben, habe ich aber doch und als die Schweine angaloppiert kamen, ging ich aber richtig zügig weiter. Genau dann war gerade kein anderer Pilger da.


    Der Nebel hängt in der Luft, manche Bergspitzen ragen heraus. Das sieht richtig schön aus.


    Auf dem letzten Bild sieht man eine Marienfigur auf dem Berg stehen.








  • Immer wieder treffe ich auf "Rolando". Ich frage nach, ob ich ihn nicht mal fotografieren darf. :-)


    Dann sehe ich doch einen Lieferwagen. Ein pfiffiger Franzose bietet hier genau die Sachen an, die bei Pilger gut gehen. Ich kaufe eine Flasche Orangensaft, ein hart gekochtes Ei und eine Banane. Außerdem gibt es hier: den letzten französischen Stempel. Auch diesen lassen ich mir geben. Dann setze ich mich auf einen Baumstamm (Stühle gibt es nicht) und mache eine ausgiebige Pause. Meist ziehe ich auch Schuhe und Socken aus.


    An seinem Wagen hängt eine Skizze. Wir befinden uns jetzt auf 1201 m, noch 1 km muss ich hochsteigen, dann 5 km flach und weitere 5 km absteigen und dann hat man das Ziel erreicht. Nun ja, ganz so war es aber nicht, denn es waren zwischendurch auch noch weitere Auf- und Abstiege.