Essen, schlafen, fotografieren - eine Woche in der Masai Mara

  • Hallo,

    sieben Tage war ich mit einer Fotofreundin in der Masai Mara in Kenia. Wir haben an einem Fotoworkshop teilgenommen, um Großkatzen in freier Wildbahn zu fotografieren.


    Als ich im Mai 2017 auf dem Fotoworkshop in Texel war (auch mit Karin), kam der Wunsch bei uns auf, eine Fotoreise nach Afrika zu machen. Oberste Priorität war das Fotografieren und so war für uns klar, es geht nur mit einem speziellen Veranstalter, der vor allem auf die Wünsche und Bedürfnisse von den Kunden eingeht.


    Das hat diese Mal hervorragend geklappt und wir waren richtig happy, das große Los gezogen zu haben. Wir haben ja erst kürzlich andere Erfahrungen gemacht.


    Ich bin mit Tausenden von Bildern nach Hause gekommen. Kein Wunder, denn wir waren tagtäglich mehr als 10 Stunden unterwegs.


    Bevor ich den Bericht nun endgültig anfange, gibt es zunächst ein paar kleine Appetithäppchen. :thump:

    Da ich gerne den Bericht zusammenhängend schreiben möchte, gibt es hierzu einen Kommentar-Thread.


    Viele Grüße

    Petra







  • Karin kam am Abend zuvor schon zu mir, denn wir wollten zusammen ab Hannover fliegen. Wie immer bin ich völlig aufgeregt. Koffer und Fotorucksack wurden gepackt, wobei der Technikkram fast am meisten wog. Was braucht man schon an Klamotten, wenn man den ganzen Tag auf staubigen Wegen unterwegs ist? Wir gehen ja nicht auf einer Modenschau.


    Zum Abendessen habe ich uns einen leichten Kartoffel-Zucchini-Gratin gemacht, dazu gab es ein kleines Gläschen Wein und wir gingen natürlich früh zu Bett.


    Der Wecker klingelte zu einer "unchristlichen" Zeit (3:30), ich habe - wie immer - schlecht geschlafen. Eine Tasse Tee und zwei belegte Brote zum Mitnehmen, auf den Zubringerflügen gibt es ja nur noch einen Keks.


    Die Straßen sind an einem Sonntagmorgen um halb fünf wie leergefegt. So kommen wir wirklich gut voran, suchen uns einen Parkplatz im Parkhaus am Flughafen und gehen ganz gemütlich zum Check-in. Witzigerweise sitzt dort eine "Kollegin" aus alten Zeiten, sie ahnt doch gleich, dass wir eine Fototour machen wollen, als sie unser Gepäck sieht. :ppfeifen


    Auch bei dem Securitycheck läuft alles wie geschmiert. Klar, ich muss meinen Fotoapparat doch rausholen, einschalten und dann sieht "er" doch kein Bild auf dem Display. Ha, ha, meine ich, hier muss man noch durch den Sucher schauen, wenn man etwas sehen will.{a


    Auch Karins Objektive finden große Bewunderung!


    In Frankfurt haben wir viel Zeit, denn ich habe für uns einen früheren Zubringerflug gebucht. Es wäre ja jammerschade, wenn wir aus irgendeinem Grunde den Flug nach Nairobi nicht bekommen hätten. Wie oft ist ein Flug mal verspätet oder gar gestrichen, dann doch lieber etwas Wartezeit am Flughafen überbrücken.


    Unsere Maschine ist verspätet. neben mir sitzt ein junges Mädel, sie hat gerade ihr Tourismusstudium abgeschlossen und wollte gestern von Hamburg nach Venedig fliegen, weil sie für ein halbes Jahr (oder so) auf einem Schiff angeheuert hat. Tja, der Flug aus Hamburg wurde gestrichen und man hat sie für heute von Hannover umgebucht. Nun bangt sie wieder, dass sie die Maschine nach Venedig bekommt. Zu allem "Unglück" kommen wir auch noch im Terminal "B" an. Wir haben jedenfalls die Daumen gedrückt, dass für sie alles klappt. Um 19 Uhr legt das Schiff in Venedig ab.


    Wir sind beide Strecken mit Lufthansa geflogen und da wir uns sehr frühzeitig entschieden haben, bekamen wir einen sehr günstigen Preis für die Premium-Economy-Klasse.



  • Der Flug von Frankfurt nach Nairobi war recht angenehm. Wir hatten uns schon bei der Buchung vegetarisches Essen bestellt und das war auch gut so, denn wir hätten ansonsten nur zwischen Fleisch und Fisch wählen können.


    Es hat uns prima geschmeckt. Für 4 Stunden kaufte ich mir einen Internetzugang und so konnte ich mir die Zeit ganz gut mit Surfen vertreiben. Ab und zu schaute ich aus dem Fenster, die Sicht war wieder einmalig. Ich wollte mir eigentlich einen Film anschauen, aber irgendwie bin ich doch immer wieder eingenickt.


    Die Landung in Nairobi war "butterweich" leider war es schon stockfinster. Die Einreise verlief richtig schleppend. Man kann mit E-Visum oder eben mit einem Visum upon arrival einreisen. Ich glaube, die Schlange für die Passagiere mit E-Visum war um einiges länger. Die Kosten für das Visum: 50 USD bar cash!


    Schnell die Koffer abgeholt und dann noch durch den Zoll, wir wurden durchgewunken, keine Fragen, nur den ausgefüllten Zettel abgeben.





  • Karibu Kenya

    Als erstes wollten wir uns eine Daten-SIM-Karte kaufen und stellten uns an dem Schalter in der Ankunftshalle an. Als wir dann endlich an der Reihe waren, erfuhren wir, dass es hier nur Telefonkarten und keine Karten nur für Daten gab.


    So gingen wir erst einmal raus. Draußen am Flughafen standen schon jede Menge Abholer mit ihren Tafeln auf denen die Namen der Gäste vermerkt sind.


    Auch wir wurden "gefunden", unser Workshopleiter kam nämlich mit derselben Maschine an, so hatten wir von Anfang an eine gute Betreuung und mussten uns um nichts kümmern. :-)


    Nun gingen wir mit unserem Gepäck in den alten Flughafen, gleich in der Nähe und dort konnten wir dann auch eine Daten-SIM-Karte kaufen. Das war dann noch recht aufwendig und vor allem hätten wir das niemals selber machen können. Wir wurden dafür sogar fotografiert und das Bild musste einigermaßen mit dem Bild im Pass übereinstimmen, der auch fotografiert wurde mit Einreisevisum. Egal, am Ende hatten wir genügend GBs an Daten frei. (für 33 Dollar oder so)


    Nun wurden wir mit einem Auto zum Eka Hotel in Nairobi gebracht, denn wir übernachteten in Nairobi. In den Naturpark der Masai Mara darf man nur tagsüber reinfahren. Ab 19 Uhr muss man im Camp sein.


    Wir trafen uns dann noch zu einem Bier (mein erstes kenianisches!) an der Bar und bekamen die esrten Instruktionen. Um 7:30 wollen wir abfahren, vorher noch frühstücken, daher wurde der Abend nicht sehr lang.


    Ich fiel totmüde ins Bett und habe gut geschlafen!





  • Am nächsten Tag fahren wir pünktlich nach dem Frühstück um 7:30 h los. Knapp 300 Kilometer müssen wir bs zu unserem Camp mitten in der Masai Mara fahren.


    Gestern Abend haben wir noch zwei weitere Workshopteilnehmer kennengelernt, Claudia und Ralf.


    Zunächst müssen wir durch Nairobi fahren, der Verkehr ist grässlich, die Straßen noch gut. Dann kommen wir durch einige Dörfer. Ein erster Eindruck von Afrika.


    Irgendwann machen wir eine kleine Pause.








  • Wir fahren weiter und die Straßen werden schlechter. Riesige Baustellen unterwegs, neue Straßen werden gebaut. Immer wieder werden Staubwolken aufgewirbelt. Der Fahrer hat manchmal Mühe etwas zu sehen und wir schließen ganz schnell die Fenster, damit der Staub uns nicht den Atem raubt.







  • Irgendwann erreichen wir den Nationalpark Masai Mara. Es gibt eine Kontrolle, draußen laufen Straßenhändlerinnen und versuchen uns Sachen zu verkaufen. Wir halten die Fenster geschlossen, jetzt wollen wir nichts kaufen.


    Nachdem wir in den Park gefahren sind, staunen wir, denn schon sehen wir die ersten Tiere. Boah, warum halten wir nicht an? Ok, noch nicht, wir wollen erst einmal im Camp ankommen und der Weg dorthin ist noch lang. Ich bin total begeistert, Karin natürlich auch, wir schauen und staunen und lassen uns durchschütteln.


    Nach mehr als 6 Stunden erreichen wir unser Ziel. Wir sind angekommen. Für die kommende Woche ist das Mara Bush Camp unser Zuhause.


    Wir werden herzlich begrüßt und man erklärt und so einiges. Vor allem ist wichtig, dass es keine Zäune um das Camp gibt. Jedes Tier kann überall hin und somit dürfen wir in der Dunkelheit nur in Begleitung auf dem Gelände gehen.


    Nach dem ersten Willkommensgetränk werden wir zu unseren Zelten gebracht. Ja wir schlafen in Zelten!


    Ich habe das Zelt Nr. 8, Karin ist im Zelt Nr. 5 untergebracht. Es ist schon eine üppige Unterkunft,ich habe viel Platz, ein großes Doppelbett und ein Einzelbett, prima um darauf meine ganzen Fotosachen abzustellen. Dann gibt es eine kleine Technikecke mit vielen Steckdosen und USB-Zugängen.


    Weiter hinten im Zelt gibt es eine Toilette, eine Dusche und eine Waschecke, sowie ein Schrank mit einem Tresor.


    Ich bin heilfroh, dass ich eine Toilette im Zelt habe und nicht des Nachts raus muss. Bei der Begrüßung hat man nämlich (scheinbar scherzhaft) erklärt, dass man einen Spaten bekommt und dann hinter dem Zelt seine Sachen erledigen muss. Ich habe batürlich mit keiner Wimper gezuckt, als ich das hörte, war aber nicht so glücklich darüber. Als ich dann das Klo im Zelt sah, file mir doch ein kleiner Stein herunter.


    Ich hatte ein Walkie Talkie im Zelt für Notfälle und eine Taschenlampe, die man durch Drehung einer Kurbel aufflädt.


    Draußen auf der Terrasse gibt es eine große Kuhglocke, wenn ich irgendwohin gehen möchte, klingel ich und schon kommt ein Masai mit Speer bewaffnet und begleitet mich.


    Auf der Terrasse gibt es Liegestühle und einen Sitzplatz mit Blick auf den Fluss.









  • Ja, ich bin zufrieden, das ist doch eine tolle Location. Ein wenig bin ich auch aufgeregt, denn ich frage mich schon, bin ich hier sicher? So ganz alleine in einem Zelt? Ich verabschiede den Room-Steward, packe ein paar Sachen aus und dann gehe ich zum Restaurantzelt. Die Wege sind gut markiert, wir bekommen ein verspätetes Mittagessen, es schmeckt köstlich und vor allem, es gibt ganz viel Vegetarisches.


    Was sind das alles für Eindrücke... Viel Zeit bleibt nicht, denn der erste Gamedrive wartet. Wir sind zu viert und haben zwei große Autos. Klar, ich fahre mit Karin und Christian Röschert, unser Workshopleiter fährt abwechselnd mal mit uns und mal mit Claudia und Ralf.


    So haben wir jeder eine ganze Reihe im Auto für uns und können nach rechts oder links fotografieren, je nachdem wo es was zu fotografieren gibt. Außerdem können wir auch oben aus dem Auto fotografieren, denn das Dach ist hochgelegt.






  • Was war ich gespannt auf unsere erste Ausfahrt. Schnell merkt man, wer nicht vorbereitet ist, verliert. Der Fotoapparat muss parat liegen, Karte formatiert, und die wichtigsten Einstellungen vorbereitet.


    Die Wege im Park sind abenteuerlich, man fährt durch stinkige felsige Gewässer, immer in Habacht-Stellung, denn da will ich nicht hineinkippen. aber unsere Fahrer haben es drauf, sie sind einmalig, nicht nur Könner beim Fahren sondern auch Meister im Aufspüren von den Tieren.


    Die ersten Löwenbilder:








  • Wir haben wirklich viel Glück mit den Löwen, wenn man bedenkt, dass sie 20 Stunden am Tag schlafen, aber an diesem Tag haben wir sie oft gesehen und das nicht nur schlafend.


    Irgendwann sah es so aus, als wollten sie auf Jagd gehen, aber dann drehten sie sich doch um und legten sich wieder nieder.







  • Ich war begeistert! So viele Löwen, so nah, das hätte ich nicht gedacht. Zum Sonnenuntergang sehen wir dann ganz malerisch eine Elefantenfamilie.


    Die Dunkelheit kommt pünktlich und es geht rasend schnell. Wir fahren wieder zurück. Ich werde von einem Masai zu meinem Zelt begleitet, dann nehme ich eine Dusche, lade meine Bilder runzter, lade die Akkus auf und gehe aus dem Zelt. Noch bevor ich die Kuhglocke erreiche, steht schon der Masai mit seinem Speer und Taschenlampe vor mir und holt mich ab.


    Bevor es zum Abendessen geht, nehme ich einen Drink am Lagerfeuer. Dann kommt der Koch und erzählt uns, was es alles zum Abendessen gibt. Es ist köstlich! Irgendwann habe ich auch mal ein Bild gemacht, aber an diesem Abend nicht.


    Nach dem Essen werde ich zu meinem Zelt begleitet. Die erste Nacht schlafe ich doch sehr unruhig. Ich höre die Tiere, die ums Zelt herumschleichen, überlege ob sie vielleicht doch ins Zelt reinkommen, ab und zu brüllen die Hippos, irgendwann schlafe ich ein und wache durch unheimliche Geräusche wieder auf...





  • Was auch immer in der Nacht um mein Zelt herumschlich und auch mal daran gekratzt hat, ich weiß es nicht, denn ich habe einfach nicht nachgeschaut. Stellt euch vor, ich öffne den Reißverschluss und schaue in die Augen eines Hippos oder gar von einem Löwen. Da bekäme ich ja einen Herzanfall.


    Pünktlich um 5:20 am nächsten Morgen werde ich geweckt. Ich springe aus dem Bett, mache das Licht an, ziehe meine Klamotten an und dann gehe ich hinaus in die Dunkelheit und setze mich an den Tisch auf der Terrasse, denn dort steht mein "Morning-Tea" mit ein paar Küchlein.


    Ein klein wenig unheimlich finde ich das schon, denn auch jetzt hört man irgendwelche Geräusche. Eine Taschenlampe blitzt auf und der Lichtschein schweift über die Büsche und die Bäume am Rande des Flusses. Da bin ich beruhigt, denn ich habe den Massai nicht gesehen, der hier wacht.


    Ich trinke meinen Tee, esse die Kekse und schaue kurz ins Netz, was es hier und bei Erhard Neues gibt :-)


    Dann muss ich aber auch schon los, denn wir treffen uns um 5:50 Uhr bei den Fahrzeugen. Um 6 Uhr geht es los, wer nicht pünktlich ist, darf im Camp gemütlich frühstücken und hätte Zeit ein paar Bilder zu bearbeiten. Aber, wer will das schon?



  • Noch ist es dunkel, als wir aus dem Camp hinausfahren. Trotz der zwei Jacken und dem T-Shirt fröstel ich leicht, denn wir haben die Fenster im Jeep geöffnet und das Dach ist auch oben.


    Es wird langsam hell und irgendwann kriecht auch die Sonne über den Horizont, ein tolles Schauspiel.


    Auf dem ersten Bild seht Ihr ein Topi - Damaliscus lunatus - Leierantilope