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J.D. Salinger: The Catcher in the Rye / Der Fänger im Roggen

  • Silke
  • 28. Juli 2019 um 21:18
  • Silke
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    • 28. Juli 2019 um 21:18
    • #1

    Auf der Suche nach einem Roman, der in New York spielt, kam ich in meiner Büchersammlung mal wieder auf einen der Buchklassiker überhaupt, einen New York-Klassiker, einen Jungendbuch-Klassiker:

    J.D. Salingers "Catcher in the Rye" (Der Fänger im Roggen).

    Und erstaunlich: Erstmals mit 14 Jahren gelesen, zählt der 1951 erschienene Fänger im Roggen nach wie vor zu meinen Lieblingsromanen.

    Es geht vor allem um drei Tage, die der sechzehnjährige Holden Caulfield allein in New York verbringt, nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass er aufgrund schlechter schulischer Leistungen mal wieder von einem Internat fliegen wird.

    Es ist kalter Winter, drei Tage vor Beginn der Weihnachtsferien. Genervt von seinen Mitschülern beschliesst er nach einem nächtlichen Streit mit seinem Zimmergenossen Stradlater, der früher am Abend Holdens einstigen Schwarm Jane Gallagher gedated hat, das Internat noch in derselben Nacht zu verlassen. Jedoch will er erst dann nach Hause zu seinen Eltern gehen, nachdem der Brief der Schule mit der Mitteilung über seien Rauswurf bei diesen angekommen sein wird und diese sich - so seine Hoffnung - bereits wieder etwas beruhigt haben werden.

    So mietet er sich in der Stadt für eine Nacht in einem billigen Hotel ein und streift auf der Suche nach menschlicher Nähe, Ehrlichkeit und Empathie durch Manhattan.

    Doch was ihm in den Straßen, Bars und Restaurants oder im Hotel begegnet, sind vor allem falsche, aufgesetzte Vertreter der Welt der Erwachsenen: Verständnislose Taxifahrer, desinteressierte Prostituierte, ein schmieriger Zuhälter, "perverse" Sonderlinge, oberflächliche Touristinnen, egozentrische Aufschneider und falsche Freunde, die ihn allesamt lediglich noch mehr deprimieren.

    Schliesslich gelingt es ihm, sich ohne Kenntnisnahme seiner Eltern heimlich mit seiner zehnjährigen Schwester Phoebe zu treffen - einer der ganz wenigen Menschen, die Holden nicht deprimieren, da sie nicht aufgesetzt und falsch sind, sondern zuhören, verstehen und mitfühlen können (wie u.a. auch sein verstorbener Bruder Allie, ein ehemaliger Lehrer oder Jane Gallagher).

    Dabei bringt ihn die kleine Phoebe dazu, sich selbst zu reflektieren, indem sie ihn fragt, ob es denn überhaupt etwas gäbe, was er wirklich gerne machen oder sein würde. - Und hier kommt der Buchtitel ins Spiel, denn Holden erinnert sich an ein Gedicht, welches er allerdings falsch in Erinnerung hat:

    „If a body meet a body coming through the rye“ („Wenn jemand jemanden trifft, der durch den Roggen kommt“) lautet in seiner Erinnerung

    „If a body catch a body coming through the rye“ („Wenn jemand jemanden fängt, der durch den Roggen kommt“).

    Und genau das möchte er sein: Der Fänger im Roggen, der in einem Roggenfeld spielende Kinder davor bewahrt, versehentlich den nahegelegenen Abbgrund hinabzustürzen, indem er sie vorher fängt. Im übertragenen Sinn also derjenige, der die Kinder davor bewahrt,

    ihre Unschuld zu verlieren und in die Falschheit und Verlogenheit der Erwachsenenwelt abzustürzen.

    In der Realität entscheidet er sich dann jedoch dafür, New York und seine Familie zu verlassen, um im Westen sein Glück zu suchen.

    Nicht aber wie sein älterer Bruder D.B., der sich in Hollywood als Drehbuchautor "prostituiert", wie Holden es nennt, sondern als vermeintlich Taubstummer in einer einsamen Waldhütte, damit er nie mehr an den heuchlerischen Konversationen seiner Mitmenschen teilhaben muss.

    Vorher möchte er sich aber noch von Phoebe verabschieden ...

    Ein tolles, empfehlenswertes (Jugend-) Buch - auch heute noch, vor allem in Bezug auf die unterschwellige Kritik an einer Gesellschaft,

    die vor allem oberflächlich, Ich-bezogen und verlogen ist.

    Ich besitze das Buch im englischen Original und war noch nie ein Fan der deutschen Übersetzung, muss aber hinzufügen, dass es inzwischen neuere geben soll, die möglicherweise besser sind als diejenige von Heinrich Böll, welche ich kenne.

    "Problem" ist der Sprachstil, der eine damalige, schnodderige und mit Fluchwörtern gespickte Umgangssprache wiedergibt, die zum einen damals nicht jedem passte und zum anderen nicht ganz einfach 1:1 in eine äquivalente deutsche Umgangssprache zu übersetzen war.

    Interessantes Detail am Rande: Ganz am Anfang liest Holden zum wiederholten Mal den Roman "Out of Africa" von Isak Dinesen (aka Tania Blixen), ein weiteres meiner persönlichen Lieblingsbücher.

    Hier der Link zu Buchempfehlungen New York & Kalifornien

    VG,

    Silke

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    3 Mal editiert, zuletzt von Silke (11. Dezember 2021 um 22:27)

  • Petra
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    • 28. Juli 2019 um 23:35
    • #2

    Das Buch würde mir sicher auch gefallen, danke für die ausführliche Vorstellung!

    Viele Grüße
    Petra

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  • Silke
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    • 30. Juli 2019 um 14:39
    • #3

    Kennst du es nicht, Petra?

    Ich dachte, das kennen hier alle, denn es ist ja immerhin schon sehr lange auf dem Markt und gilt als einer DER Roman-Klassiker schlechthin, war Pflichtlektüre an vielen Schulen usw.

    Ich hab übrigens noch ein bisschen im Internet dazu gelesen und es scheint, als tauge die neuere deutsche Übersetzung leider auch nicht viel.

    Mit der Sprache geht aber ein wesentlicher Aspekt verloren.

    Wenn man da nicht g'scheit übersetzt, fehlt dem Roman das Essentielle. - Aber ich kann sagen:
    Das umgangssprachliche, englische Original ist gar nicht schwer zu lesen und so ein paar Vokabeln hat man heutzutage ja schnell mal auf LEO nachgeschlagen.

    VG,

    Silke

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  • Petra
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    • 30. Juli 2019 um 14:58
    • #4

    Nein, das sagt mir überhaupt nichts, auch im Englischunterricht hatten wir anderen Lesestoff. Vermutlich wurde das Buch auch erst später als Lektüre aufgenommen. Es wurde ja erst 1951 geschrieben.

    Ich frage mal Michael oder Jenni, ob sie sich daran erinnern. :)

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  • Petra
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    • 30. Juli 2019 um 20:14
    • #5

    Jenni kennt das Buch, hat es aber nicht gelesen und nicht lesen müssen. Sie hat sich aber schon immer sehr für die amerikanische Jugendliteratur interessiert. Michael meinte, dass ihr Mutter es in der Schule gelesen hat, sie fand es schrecklich, so Jenni.

    Weißt Du, wer das Gedicht gechrieben hat? Der schottische Poet Robert Burns. Wir waren damals in seinem Heimatdorf und auch an seinem Grab. Er wird auch in Australien sehr verehrt.

    Viele Grüße
    Petra

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  • Silke
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    • 30. Juli 2019 um 20:24
    • #6

    Ja, Robert Burns wird im Buch ausdrücklich als Dichter genannt. Das sagte mir jedoch nichts.

    Aber witzig, dass ihr an seinen Orten gewesen seid!

    Klar, kann nicht jeder was anfangen mit dem Buch.

    :ffffluesternIch hatte mir damals sogar von einem Klassenkameraden für ein paar Tage eine rote Cap geliehen, weil ich mir vorstellte, dass sie der von Holden gliche. Tja, was soll man sazu sagen ... :ggrins:

    VG,

    Silke

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    • 30. Juli 2019 um 20:58
    • #7

    Das Lied Auld Lang Syne stammt auch aus seiner Feder. In Dunedin steht auch ein Denkmal von ihm, obwohl er nie in Neuseeland war, aber sein Neffe gehörte zu den Gründern der Stadt. In Melbourne haben wir auch eine Statue gefunden.

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  • Silke
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    • 30. Juli 2019 um 21:01
    • #8

    Cool, die sind mir damals in NZ nicht aufgefallen.

    Hier eine Version des Liedes, gesungen von Florence Easton 1928:

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    Wer in etwa die Kommentare 1-20 darunter liest, sieht genau den Stil, in dem das Buch geschrieben ist - hab mich grad echt sehr darüber amüsiert, manche Leute haben doch einen sehr guten Humor!

    VG,

    Silke

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