"... Und immer war die Elbe da, verband uns, hielt uns trotz allem zusammen, ließ niemanden von uns los …"
Genre:
Spannende Mischung aus Coming-of-Age-Roman, Krimi und Familiendrama, eingebettet in die faszinierende Natur der Elbmarschen.
Kernthemen:
Verlust, Schuld, Buße, Verbundenheit mit der Natur und was man bereit ist, für diejenigen zu tun, die man liebt.
Kurzinhalt:
Die siebzehnjährigen Zwillingsschwestern Enna und Jale leben mit ihrer Großmutter Ehmi in den Elbmarschen und zählen die Tage bis zur Haftentlassung ihrer Mutter Alea. Doch als es endlich so weit ist, überstürzen sich die Ereignisse: Jale ist plötzlich verschwunden und auch von Alea fehlt jede Spur; am selben Morgen ertrinkt ein Mann bei einem Bootsunglück in der Elbe. Die Polizei verdächtigt Alea und fahndet nach ihr, während Suchtrupps an der Elbe nach Jale suchen. Auch Enna begibt sich auf die Suche und stößt dabei auf einen Strom von Familiengeheimnissen, die bis ins Jahr 1923 zurückführen …
Mein Fazit:
Ich fand das Buch sehr mitreißend und schön geschrieben, insbesondere die Naturbeschreibungen des Elbmarschlands,
die so eindrücklich sind, dass man direkt Lust bekommt, die Flusslandschaft des Altern Landes an der Elbe selbst zu erkunden.
Dabei erinnern die "Elbmädchen" und die bildhaften Naturbeschreibungen ein wenig an das "Marschmädchen" in "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens, auch wenn die Geschichten selbst unterschiedlich sind.
Die Story ist spannend und vielschichtig, die Charaktere sind gut gezeichnet - insgesamt ein sehr gutes Buch, insbesondere als Jugendroman bzw. für junge Frauen empfehlenswert. Interessant ist auch das ausführliche Nachwort der Autorin, da sie in den Roman auch tatsächlich geschehene Ereignisse (von denen ich mich an eines noch aus frühester Kindheit erinnere) und reale Orte eingebettet hat.
Ein kleiner Kritikpunkt:
Sehr bzw. etwas zu viele Zeitsprünge, selbst innerhalb eines Jahres.
Jetzt kann man vielleicht sagen, dieses zeitliche hin und her ist nicht nur dramaturgisch wichtig, sondern spiegelt auch künstlerisch das Auf und Ab von Ebbe und Flut der Elbe wieder o.ä. Zumindest Letzteres ginge mir zu weit, denn es ist schon etwas störend. Dramaturgisch - ok, wegen der Cliffhanger. Aber braucht es gar so viele?
Aber heutzutage kommt ja kaum mehr ein Roman ohne mehrfache Zeitsprünge aus. Die Zeiten der linearen Erzählweise sind vorbei, was ich generell auch sehr gut finde.
Ach ja, und vielleicht noch die zum verwechseln ähnlichen und für mich teilweise seltsamen Vornamen der weiblichen Protagonisten, die vorzugsweise mit "A" oder "E" beginnen: Ehmi, Enna, Jale, Ayla, Alea, Elani - ich hab sie ein paarmal durcheinandergebracht.
Nebenbei interessant:
Genau zur selben Zeit, im Frühjahr 2025, erschien ein Roman mit einem ähnlichen Titel,
in dem die Elbe ebenfalls einen zentralen Platz einnimmt: "Flusslinien" von Katharina Hagena.
Von diesem war ich leider ziemlich enttäuscht, obwohl ich die früheren Bücher dieser Autorin sehr gut finde.
Schade, aber es hat mich einfach nicht überzeugt, auch wenn es darin ebenfalls schöne Sätze und Formulierungen gibt (wie immer bei dieser Autorin). Jedoch finde ich "Stromlinien" bedeutend besser, in sich runder und abgeschlossener und vor allem auch spannend (was den "Flusslinien" völlig abgeht).
Dennoch ein interessanter Zufall.
Mehr Buchtipps gibt es hier: https://silke-und-max.de/Buchtipps_Schatztruhe.htm