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Juli Zeh: Über Menschen

  • Silke
  • 16. August 2024 um 16:09
  • Silke
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    • 16. August 2024 um 16:09
    • #1

    Zeh, Julie: Über Menschen

    Ein Buch aus der Corona-Zeit über das Leben auf dem Land, „über Menschen“ und „Übermenschen“


    Ich glaube, ich kann Netflix kündigen – das ist ein Lesesommer mit vielen tollen Büchern! 😁😎🌞

    Jetzt hab ich mit Juli Zeh auch noch eine für mich neue Autorin entdeckt und kann es nicht fassen, warum dies erst jetzt passiert ist!


    Zur Handlung:

    Dora und Robert, beruflich erfolgreiche Mittdreißiger aus dem links-liberalen Berliner Milieu, führen eine glückliche Beziehung. Bis Greta Thunberg in ihr Leben tritt. Und dann noch schlimmer: Corona. Denn Robert ist ein meinungsstarker politischer Aktivist, der durch Klimawandel und Corona-Pandemie noch meinungsstärker und rechthaberischer wird und ihren bisherigen Lebensstil nun politisch korrekt umkrempeln will.

    Dora hingegen ist überfordert mit den zahlreichen Problemen der heutigen Zeit, vor allem mit der damit einhergehenden Überproduktion von Meinungen, dem gefühlten Zwang, sich zu allem eine eigene Meinung zu bilden, zunehmend aber auch von Robert, der aus der vermeintlichen Überlegenheit seines Lebensstils keinen Hehl macht.

    Kurz entschlossen packt sie ihre Siebensachen, kehrt der Hauptstadt im Corona-Lockdown und ihrer Beziehung den Rücken und flieht aufs Land, wo sie sich im fiktiven brandenburgischen Kaff Bracken erst vor Kurzem ein altes Haus gekauft hat.

    Doch auch die vermeintliche Landidylle hat ihre Tücken: "Ich bin hier der Dorf-Nazi" begrüßt sie ihr Nachbar namens Gote. Diese Kröte muss Dora erstmal schlucken. Und sich an die hiesigen Gepflogenheiten in der ostdeutschen Provinz gewöhnen, wo Menschen und Einrichtungsgegenstände gerne mal unangekündigt im Garten, vor der Türe oder gar im Haus stehen, der Bus wirklich nur zweimal täglich zum 18 km entfernten Einkaufszentrum fährt und wo schon auch mal ein verbotenes Nazi-Lied gesungen wird. Dabei wird ausgerechnet eine Mauer zum Ort der Begegnung und Annäherung zweier Menschen, die gegensätzlicher kaum sein könnten.

    "In Bracken ist man unter Leuten. Da kann man sich nicht mehr so leicht über die Menschen erheben" erklärt ihr ein Dorfbewohner. Denn auf dem Dorf kann man sich halt schlechter ausweichen als in der Stadt. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Konfrontationen aushalten und mit dem Anderen umgehen – oder wieder gehen.

    Doch so schnell will Dora nicht aufgeben - schon gar nicht, wenn sie sich die mögliche Häme ihres Freundes, ihres Vaters und ihres Bruders vorstellt.

    Geschickt verwebt Juli Zeh Doras Geschichte mit den Herausforderungen der gesellschaftspolitischen Situation im heutigen Deutschland: Den Kulturunterschieden zwischen Stadt und Land, den täglichen Überforderungen unserer Zeit (wie Corona, Klimawandel, Rechtsextremismus, Rassismus, etc.) und einer Politik, die in den Städten für die Städte gemacht wird.

    Aber: „Es geht nicht darum, Widersprüche aufzulösen, sondern sie auszuhalten." Nicht um die Frage, wer die Guten und wer die Bösen sind – was auch schwierig zu beantworten ist, wenn der "Dorf-Nazi" einen gepflegten Rasen und liebevoll arrangierte Geranien hat. J

    Im Mittelpunkt steht vor allem das (Zwischen-) menschliche, wie z.B. jemandem zu helfen ohne Rücksicht auf dessen Gesinnung. Um Mensch zu bleiben.

    Juli Zeh ist ein toller deutscher Gegenwarts-Roman über Menschen (oder auch Übermenschen) und das Leben auf dem Land gelungen, der trotz aller wichtigen und ernsten gesellschaftspolitischen Themen leicht zu lesen, spannend und oft auch wirklich lustig (z.B. die Situationskomik beim Pfandflaschen-„Problem“ zwischen Dora und Robert), letztlich aber auch tragisch ist. - Ein kurzweiliges und nachdenklich stimmendes Lese-Erlebnis zugleich.


    Mehr Buchtipps: https://silke-und-max.de/Buchtipps_Schatztruhe.htm


    VG,

    Silke

    Fernweh & Reisen - Unsere Reiseberichte

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    Patagonien 2026: https://silke-und-max.de/Patagonien_Reisebericht.htm

  • angelika
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    • 16. August 2024 um 20:16
    • #2

    Ich mag Juli Zeh schon lange, auch z.B. in Interviews im Stern.

    Das Buch habe ich abe noch nicht gelesen.

  • Silke
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    • 16. August 2024 um 22:58
    • #3

    Ja, echt eine "Schande", dass ich hier so ein Spätentdecker bin!

    Welche Bücher von ihr hast du gelesen?

    VG,

    Silke

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    Patagonien 2026: https://silke-und-max.de/Patagonien_Reisebericht.htm

  • Huermel
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    • 17. August 2024 um 12:42
    • #4

    Hört sich sehr interessant an! Vielen Dank, für den Tipp!!

    "Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.":ppeace (Wilhelm Busch)

  • SeeStern
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    • 17. August 2024 um 15:38
    • #5

    Auf Juli Zeh wurde ich aufmerksam als ich nach Bosnien fuhr und ihr Buch "die Stille ist ein Geräusch" las.

    Seitdem ist sie mit dem Schreiben durchgestartet. UND nun gehört sie u a zur Schulliteratur.

    Ihre Sicht auf Menschen , Politik und Welt ist meist anregend und bringt Bewegung in die Köpfe.

    Finde ich gut dass Du sie hier vorstellst.

  • angelika
    Kluge Eule
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    • 17. August 2024 um 22:20
    • #6
    Zitat von Silke

    Welche Bücher von ihr hast du gelesen?

    Die Titel weiß ich nicht mehr - meine Schafkopfdamen lassen mich seit Jahren regelmäßig an neuen Büchern partizipieren. Bei "Über Menschen" bin ich noch nicht an der Reihe.
    Deine Empfehlung "Der Gesang der Flußkrebse" war auch darunter.

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