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Petra Kaisers Forum

Reisebericht aus Borkum

Die westlichste und größte der deutschen Ostfriesischen Insel und neben Helgoland die einzige mit Hochseeklima, ist Borkum mit einer Fläche von ca. 36 km².

Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Insel Borkum waren im Jahre 1227 als Borkna und 1398 als Borkyn.

Borkum

Borkum , die größte der Ostfriesischen Inseln

Seit dem 15. Jahrhundert stand die Insel unter der Herrschaft der Grafen von Ostfriesland. Nach dem Tode des letzten männlichen Vertreters des Hauses Cirksena, Fürst Carl Edzard, fiel Ostfriesland und damit Borkum 1744 an Preußen aufgrund der von Kaiser Leopold I.dem Kurfürsten Friedrich III von Brandenburg, ab 1701 König Friedrich I. in Preußen erteilten Anwartschaft.

Insgesamt war Borkum drei Mal Teil des preußischen Staates:

1. Von 1744 bis 1807
Im Frieden von Tilsit zwischen Frankreich und Preußen wird Ostfriesland zunächst von 1807 bis 1810 Teil des Königreichs Holland unter König Louis Napoleon, ab 1813 an Frankreich abgetreten und so wurde die Insel Borkum bis 1813 Teil des Kaiserreichs Frankreich.
2. Von 1813 bis 1815
Das ist die Zeit zwischen dem Ende des Befreiungskrieges und dem Abschluss des Wiener Kongresses.
Im Wiener Kongress wird 1815 Ostfriesland/Borkum dem Königreich Hannover zugeschlagen. 1866 endet auch diese Ära.
3. Von 1866 bis 1946
Vom Frieden von Prag, der den Deutschen Krieg beendet und auch das Ende des Königsreiches Hannover besiegelt, bis zur Auflösung des Landes Preußens.

Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum

Durch Gezeiten, Stürme und Sturmfluten haben sich die ostfriesischen Inseln seit ihrer Entstehung stetig verändert. Vor langer Zeit,nämlich zwischen 800 und 1100 nach Chr. war Borkum einst Bestandteil einer viel größeren Insel namens Bant, einer Großinsel, die in der Ems lag.

Durch eine Sturmflut wird diese Insel zweigeteilt. Es gibt eine südöstliche Insel, die den Namen Bant behält. Allerdings versinkt diese Insel als Sandbank 1743 endgültig in den Fluten. Die nordwestliche Insel wird Borkna genannt. 1400 taucht der Name Borkyn und Borkinna auf, um 1462 Borcum auf einer Seekarte. Dieses ist jedoch nicht bewiesen, einige Historiker bezweifeln dies, da die römische Geschichtsschreibung oft ungenau war.


Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum- Blick v...
Borkum- Blick vom Ollen Turm


Noch ein geschichtlicher Hinweis. Borkum wurde auf Grund seiner strategischen Lage in der Emsmündung 1906 zur Festung ausgebaut. Nach dem 1. Weltkrieg blieb die Festung bestehen, man vermutet, das sie schlichtweg im Versailler Vertrag vergessen wurden. So wurden die vorhandenen Anlagen sogar ab 1935 ausgebaut und erweitert.

Nach 1945 wurde dann alles zerstört, vieles ganz beseitigt und manches überdeckt.

Nicht nur die Insel auch ihre Bewohner - Pflanzen wie Tiere - veränderten sich. Nach und nach - manchmal mit Hilfe der Menschen - siedelten sich Tierarten an und wuchsen neue Pflanzenarten wie z. B. Fasane, Rehwild, Sanddorn und Apfelrose.

Borkum - Großer...
Borkum - Großer Leuchtturm
Borkum Blick vo...
Borkum Blick vom Leuchtturm
Borkum Blick vo...
Borkum Blick vom Leuchtturm


West- und Ostland wurden Mitte des vorherigen Jahrhunderts durch menschliche technische Maßnahmen dauerhaft vereinigt, denn Borkum war von Nord nach Süd zweigeteilt. Diesen kilometerbreiten Bereich nannte man Tüskendör, was Zwischendurch bedeutete. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Verlandung des Inseldurchbruch gefördert mit Strohbündeln und Strandhaferpflanzungen.

Die Regierung des Königreich Hannover schickte Arbeitskräfte vom Festland, um den Damm zwischen den beiden Inselteilen zu errichten. Der Tüskendörwall wurde in den Jahren 1862-1864 fertig gestellt.


Der neue Seedeich wurde an der Wattseite von 1974 bis 1975 gebaut. Das Material wurde an Ort und Stelle entnommen. So konnten Kosten eingespart werden und es entstand der Tüskendörsee. Die Ufer des Seess wurden abgeflacht und kleine Inselchen angelegt. Der so künstlich entstandene Tüskendörsee ist ein wichtiges und attraktives Brut- Rastgebiet für Enten und viele andere Wasservögel.

Auf den nahe gelegenen Weideflächen kann man die Wattvögel wie Großen Brachvogel und den Austernfischer beobachten.  Vom Spätsommer bis Herbst ziehen hier riesige Vogelschwärme aus ihren Brutgebieten, die sich von Grönland bis Sibirien erstrecken in ihre Wintergebiete nach Afrika. Im Wattenmeer legen Millionen von Watt- und Wasservögel einen Zwischenstopp ein. Sie brauchen diesen Stop um sich Fettreserven für den weiteren Flug anzulegen.

Wir Menschen dürfen die Vögel beobachten, aber sie nicht stören! Vor dem neuen Seedeich liegt die Salzwiese, ein Lebensraum zwischen Land und Meer. Bis zu 250 Tagen im Jahr wird dieser Naturraum von Salzwasser überflutet. Jedes Jahr wird sie vom Sturm gepeitscht, steht mehrere Tage ganz unter Wasser und ist dennoch einer der artensreichsten Lebensräume überhaupt.

Es wachsen Pflanzen, die sich an die verschiedenen Standortbedingugen angepasst haben, wie z. B. Queller, Schlickgras, Portulak-Keilmelde, Strandflieder, Strandaster, Milchkraut, Rotschwingel und Meerstrandwermuth. Ebenso knapp 2000 Insekten und 110 Vogelarten haben sich durch besondere Strategien an die Salzwasserwiesenpflanzen und die regelmäßigen Überflutungen angepasst. Die Salzwiese war vorher Wattgebiet.

Austernfischer

Auf unserer Fahrradtour zum Ostende der Insel, lassen wir am Ende des Deiches unsere Fahrräder stehen und wandern zu Fuß weiter. Vor uns liegt eine Salzwiese, die vom Deichfuß und der Braundünengruppe "De Hahlingtjes" begrenzt wird. Das höhere Ende der Salzwiesen wird durch Botterbinsen markiert. Die Salzwiesen werden auf den Ostfriesischen Inseln auch Heller genannt und sind die Nahtstelle zwischen dem marinen, vom Salzwasser beeinflusstem Lebensraum und dem Festland.

Wir wandern durch die Dünengruppe "De Hahlingtjes und dann über die Sandplate "Hoge Hörn". Bis zum Meer sind es ungefähr 3 Kilometer. Ein schöner aber einsamer Weg. Wir treffen nicht viele Menschen und sind in unberührter Natur. Wenn das Wetter mitspielt, ist es eine schöne Wanderung. Bei Hochwasser ist der Wanderweg natürlich nicht passierbar.

Bei allen Wanderungen gilt: Ins Watt nicht alleine und immer sollte man wissen, wann Hochwasser ist. Das Meer kommt schnell und manchmal ist man ruckzuck von den vollaufenden Prielen vom Festland
abgeschnitten.

Das Watt ist jener Bereich des Meeresbodens, der zweimal täglich bei Flut überflutet wird und bei Ebbe trocken ist. Die Wattflächen sind von Wasserrinnen durchzogen,die man Priele und Baljen nennt. Auf der Wattoberfläche leben Millionen von Kieselalgen, eine einzellige Pflanze, die vielen Bewohnern des Watts als Nahrungsgrundlage dient.

Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum

An dieser Stelle, an der dieser Grenzpfahl steht, ist eigentlich der nordwestlichste Grenzpunkt der Insel Borkum. Bis hier wurde die Insel katastermtlich vermessen. Die Dünen- und Strandflächen, die man von diesem Punkt aus sieht, wurden bisher noch nicht vermessen. Die Entwicklung fand allerdings auch erst in den letzten 60 Jahren so statt.

Bei Niedrigwasser laufen wir kilometerweit am Wasser entlang und begegnen nur ab und zu Menschen. So lange wir noch Menschen begegnen sind wir ruhig, denn wir haben schon ganz schön viel Respekt vor der See. Und vor allem immer die Uhr im Blick und die Zeiten der Gezeiten parat. Zu groß ist die Angst vor dem Hochwasser.

Im Westen der Insel liegt die Seehundbank "Hohes Riff". Im Laufe der Zeit hat sich der Seehund an die besonderen Bedingungen im Wattenmeer angepasst. Ursprünglich lebten die Vorfahren der Robben auf dem Lande, stellten sich jedoch nach und nach auf das Leben im Wasser ein.

Seehund

Der Seehund ist ein gewandter und ausdauernder Schwimmer, an Land ist er recht unbeweglich. Der Seehund ist ein Lungenatmer, aber er besitzt eine ausgeklügelte Sauerstoffversorgung, die es ihm erlaubt bis zu 20 Minuten unter Wasser zu bleiben.

Im Wasser kann der Seehund klar sehen, da seine Linse sehr stark gekrümmt ist. An Land sieht er dadurch alles verschwommen. Die Tiere fressen alle Fischarten, die ihnen gerade ums Maul vorbeischwimmen. Die Jungtiere ernähren sich hauptsächlich von Garnelen (Granat).

Bei Niedrigwasser sucht die Robbe trockene Sandbänke auf, um sich aufzuwärmen und um Ruhe zu finden, nach stundenlanger Jagd im kalten Wasser. Auch können die Jungen nur an Land geboren und gesäugt werden. Werden die Tiere von Menschen gestört, so stellen sich neben Stressanzeichen (Kopfanhebung, Flucht ins Wasser) weitere Probleme ein. Die Jungtiere können von den Müttern getrennt werden. Das bedeutet, dass sie nicht genügend Nahrung bekommen, denn das Fischefangen muss erst noch gelernt werden.

Seehund

Weitere Bedrohungen im Leben der Seehunde sind die Verschmutzungen der Meere. 60 % der Seehunde überleben das erste Lebensjahr nicht. Obwohl der Seehund wohl das beliebteste und bekannteste Wattenmeertier ist, muss von den Menschen gerade in den Sommermonaten Zurückhaltung geübt werden. Werden Tiere in dieser wichtigen Phase wie Haarwechsel, Geburts- und Säugezeit gestört, hat dies schwerwiegende Folgen für die Gesundheit, Vermehrung und Wachstum.

Deswegen gilt hier auf Borkum die strikte Anweisung, die Markierungen und Hinweisschilder zu beachten, denn die Seehundbank ist zu Fuß erreichbar. Gönnen wir den Tieren die Ruhe, die sie brauchen. Die Grenzlinie ist vor Ort mit Schildern markiert. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldbuße geahndet. Diese Woche ist am Nachmittag immer Niedrigwasser, so wollte ich unbedingt zu den Seehunden spazieren. Das Wattenmeer ist riesengroß, jede Menge Menschen wandern herum, aber letztendlich kommt man sich kaum ins Gehege. Solange ich Menschen sehe, die auch dorthin wandern, fühle ich mich sichern.

Die kommende Flut habe ich auch zeitlich im Auge, denn es wird immer wieder gesagt, man sollte nicht alleine eine Wattwanderung machen. Die Seehund sind mit dem bloßen Auge zu erkennen, aber zum Schutz der Tiere ist es nicht möglich, weit auf die Sehundbank hinauszugehen. Natürlich habe ich kein gutes Fernglas mit und mein Objektiv reicht auch nicht aus. Aber ich habe sie gesehen und das reicht. Es ist schon etwas anderes, Tiere in der Natur zu sehen als im Zoo.

Seehund

Neben den Seehunden gibt es auch unzählige Möwen im Westen der Insel. Es sind meist Lachmöwen, die ihren Namen dem eigenartigen Ruf verdankt und die Silber- und Sturmmöwe. Die Möwen sind gute Schwimmer und Flieger. Sie ernähren sich von tierischer Beute und Aas. Leider auch immer häufiger von Abfällen. Dabei gilt immer der Grundsatz: Keine Wildtiere füttern, auch keine Möwen!

Die ersten Tage auf dieser Insel vergingen wie im Flug. Ich hatte noch viel Zeit vor mir, die Insel weiter zu erkunden. Daher kann ich jetzt noch einiges erzählen. Am schönsten waren die Fahrradtouren über die Insel. Es herrscht ein super Klima, mir gefällt die Insel und es gibt so vieles zu entdecken.

Ein alter Matrosenreim besagt: "un kamen wir nach Börkem, da stekens uns mit Förken" Die ersten Badegäste kamen erst ab 1830 nach Borkum. Mutige Menschen, denn die Seefahrt betrug teilweise 18 Stunden! Seit 1850 ist es ein Bad, dennoch kamen nur wenige Hundert jedes Jahr hierher. Nachdem der Fähranleger und die Inselbahn gebaut wurde, stiegen die Besucherzahlen stetig an.

Heute kommen Jahr für Jahr mehr als 160.000 Gäste nach Borkum, die von den 6.000 Einwohnern freudig begrüßt werden. Ein Familienbad mit Hochseeklima sagt man, mit vielen breiten Sandstränden und wunderschönen Wanderwegen durch die Dünenlandschaften. Es gibt 120 km Wander- und Fahrradwege.

Auf dem Weg vom Schutzhafen zurück in die Stadt finden wir wieder ein Hinweisschild: "Dünengreise" Wir halten an und schauen uns um. Die Dünen, die wir nordwestlich sehen, gehören zu den ältesten Dünen der Insel. Sie sind mindestens 400 Jahre alt und sehen auch anders aus, als die jungen Dünen.

Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum

Nahezu entkalkt zeichnen sie sich durch eine fortgeschrittene Bodenbildung aus. Eine Humusdecke hat sich an der Oberfläche gebildet, dadurch erscheint die Düne nicht mehr weiß oder grau, sondern braun. Deswegen werden diese Dünen auch als "Braundünen" bezeichnet. Es wird kaum noch Sand zugetragen, dadurch kann sich eine geschlossene Vegetationsdecke ausbilden. Dafür sind folgende Gewächse typisch: Küstenheide mit Krähenbeere, Besenheide, Tüpfelfarm, Sandsegge und viele Moose und Flechten.

Die Weiterentwicklung ist eine Verbuschung. Es entstehen Birkenwälder mit Birken, Vogelbeere und Zitterpappel.
Wir fahren den Padje bi de Kugelbake entlang. Der Weg führt uns durch einen Wald. Es ist "Der Greune Stee". Auf dem Hinweisschild steht, dass diese grüne Stelle mit seinen 58 Hektar das größte zusammenhängende Waldgebiet Borkums ist, davon wird der größte Teil von einem feuchten Dünental eingenommen.

Wenn der Wind den Sand aus den Dünen bläst, bis das Grundwasser zu sehen ist, dass entsteht ein feuchtes Dünental, oder wenn Senken allmählich verlanden, so wie es hier der Fall gewesen ist. Dieses Waldgebiet wird beherrscht von der Schwarzerle, die nicht zur natürlichen Vegetation gehört, wie auch Roßkastanie, Ahorn und Fichte. Sie wurden damals auf Initiative eines Lehrers angepflanzt, um eine Grundlage für das Waldgebiet hier zu schaffen.

Ohne die Menschenhilfe mit ihren Schutzbauten und Schutzmaßnahmen wäre die Insel nahezu kahl. Der Fahrrad- und Wanderweg führt uns zum Südstrand. Da wir hier jedoch unsere Fahrräder über die Promenade und teilweise durch den Sand schieben müssten, fahren wir außen herum. Nicht überall darf mit den Fahrrädern gefahren werden, aber bei insgesamt 120 km bleibt genügend übrig ;-)

Anfang 1700 verdingten sich die Mehrzahl der Bewohner Borkums auf Walfangschiffen. Sicher war es auch ein Quentchen Abenteuerlust, was die Männer auf See zog. Wer einmal auf See war, den zieht es immer wieder hinaus. Ein anderer Grund war auch, dass mit der auf Borkum betriebenen Land- und Viehwirtschaft die Menschen in Armut lebten.

Borkum
Borkum
Borkum - Grabst...
Borkum - Grabstein
Borkum - Grab d...
Borkum - Grab der Walfischfänger

Es reichte nicht aus, alle zu ernähren. So zogen die Männer Jahr für Jahr aus und verdingten sich auf Schiffen. Oft waren sie monatelang unterwegs und nicht selten kamen nicht alle zurück. Wer jedoch die Strapazen überlebte und den Kampf gegen die Wale gewann, der wurde mehr oder weniger"reich", dem ging es gut. Die Wale sind übrigens auch im Stadtwappen Borkums vertreten. Die Wale wurden in der Arktis rund um Grönland gejagt.

Später gab es auch einige Kommandeure aus Borkum. Das waren die Walfangkapitäne. Noch heute gibt es in der Stadt einige Zeitzeugen dieser Zeit. Wer zur See fuhr, zeigte es auch. So gibt es noch den ein oder anderen Zaun, der aus den Walfischkinnladen hergestellt wurde. Stünde nicht das Schild in der Blumenstraße "Walfischkinnladen aus der Zeit 1715-1782", so könnte man meinen, der Zaun sei aus Holz.

Der erfolgreichste Borkumer Walfangkommandeur war Roelof Gerritz Meyer, der 44 Jahre in die Arktis fuhr und in dieser Zeit 270 Wale erlegte. Der Walfang forderte aber auch viele Menschenleben. In manchen Jahren fielen bis zu 44 Ernährer der See zum Opfer. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten nur noch 406 Personen auf Borkum und 1828 wurde die hochdeutsche Sprache eingeführt, vorher sprach man auf der Insel holländisch.

Wenn man allerdings bedenkt, was die Walfänger ökologisch angerichtet haben, dann sollte man lieber nicht darüber nachdenken. Die Walbestände sind dramatisch zurückgegangen und haben sich nie wieder erholt.

Zu den Wahrzeichen Borkums gehören auch die von weither sichtbaren Kaapen (Baken), die in früherer Zeit Navigationshilfen waren. Sie waren früher aus Holz gebaut und damit leicht versetzbar. Erst seit 1870 wurden sie aus Stein gebaut und heute besitzen die Kaapen nur noch symbolischen Wert. Von den ursprünglich 4 Kaapen sind heute noch 3 vorhanden: das "Große Kaap", das "Kleine Kaap" und die "Ostland Bake".

Borkum - Pferde
Borkum - Pferde
Borkum - Bake
Borkum - Bake
Borkum - Bake
Borkum - Bake

Eine naturkundliche Besonderheit ist die Entstehungsgeschichte des Dünenkalsumpfes und Strandsees. Die Marcellus-Sturmflut spülte 1362 die Dünen fort und teilte die Insel Borkum in das Ost- und Westland. Bei Hochwasser floss durch das Tüskendör bis 1860 die See und lagerte Muschelkalk ab. Bei Niedrigwasser herrschte starkes Sandtreiben. Im Süden wurden beide Teile mit Zäunen verbunden und es enstand ein Dünenwall, der Hinterwall, der nun beide Teile der Insel miteinander verbunden hat.

Um 1930 wurde die bis dahin vorhandene Strandbucht durch einen weiteren Dünenwall verbunden, den Hindenburgdamm. Dieser Teil zwischen dem Hindenburgdamm und Hinterwall nannte man Muschelfeld. Es trat Grundwasser auf. Durch die vorhandenen Kalkablagerungen und das Grundwassers enstanden hier die Kalksümpfe mit ihrer einmaligen Tier- und Pflanzenwelt. Unter anderem konnten wir Kornweihe und Rohrweihe beobachten.


Großer Leuchtturm - Neuer Leuchtturm

Eines der wichtigeren Seefeuer an der Nordseeküste ist der "Große Leuchtturm Borkum", der die Aufgabe hat, mit seinen zwei Lichtblitzen vorbeifahrenden Schiffen zur Orientierung zu dienen. Auf Borkum wurde 1780 als erstes Leuchtfeuer die Kohlenfeuer-Bake errichtet bevor 1817 der "Alte Leuchtturm" in Betrieb genommen wurde.

In klaren Nächten ist das Licht des Seefeuers rund 45 Kilometer weit zu sehen. Das nächste gelegene Seefeuer westlich ist der 36 Kilometer von Borkum entfernt gelegene Leuchtturm der Insel Schiermonnikoog mit 4 Blitzen und im Osten der Leuchtturm auf Norderney. In einem Seitenfenster des Großen Leuchtturms von Borkum ist ein Nebenfeuer eingerichtet und zeigt derin das Westerems-Fahrwasser einlaufenden Schifffahrt einen Kurswechsel an der Borkumriffplatte an.

Was ist ein Seefeuer?

Die großen, rundum leuchtenden Feuer der großen Leuchttürme aud den Inseln und in See werden "Seefeuer" genannt. Sie dienen den vor der Küste vorbeifahrenden Schiffen als grundsätzliche Navigationsmittel zur Orientierung

Borkum Blick vo...
Borkum Blick vom Leuchtturm
Borkum Blick vo...
Borkum Blick vom Leuchtturm
Borkum - Großer...
Borkum - Großer Leuchtturm

Nun ein paar technische Dinge:

Der Turm ist 60,2 m hoch. Er wurde vom Februar bis November 1879 erbaut. Die Niederlande haben sich 1879 zu einem Drittel an den Baukosten beteiligt.

1.526.000 rotbraune Klinker wurden vermauert. Die Steintreppe hat insgesamt 315 Stufen.

Das Seefeuer liegt 63 m über dem Wasser, die Kennung sind 2 Blitze von je 0,2 Sekunden, alle 12 Sekunden, die Lichtquelle ist eine Glühlampe von 110 Volt und 1500 Watt (bis 2004)

Die Kennung des Quermarkenfeuer "Westerems": Farbsektoren rot/weiß/grün mit festem Licht. Es ist eine Halogenlampe von 70 Watt. Alles hochkompliziert, zumindest für mein technisches Verständnis. Insofern werde ich auch nur kurz auf die Querfeuer eingehen.

1879 wurde als leuchtfeuertechnische Einrichtung ein Fresnel'sches Drehfeuer 1. Ordnung eingebaut, ein 5 Meter hoher, bienenkorbartiger Apparat. Die Glasteile stammten alle aus Frankreich. Die ursprüngliche Kennung war eine Mischkennung aus einem festen, weißen Licht, dem ein Schein von einer Minute Dauer und ein stärkerer Blink von rund 12 Sekunden Dauer überlagert wurden. Angetrieben wurden die drehenden Teile der Leuchte durch ein Uhrwerk, dessen Gewichte im Treppenschacht des Turmes hingen (1 Umdrehung in 12 Minuten)

Als Lichtquelle war eine Petroleumlampe eingesetzt, mit 5 hohlen, zylindrischen Dochten. Damit wurde ein richtiges "Leuchtfeuer" mit einer Flamme von 10,5 cm Durchmesser erzeugt.

1908 wurde das Seefeuer auf eine neue Kennung umgestellt: Festes Feuer mit Gruppen von zwei Blinken und einer Wiederkehr von 40 Sekunden. Statt in 12 Minuten, drehte sich die Leuchte nunmehr in 2 Minuten um ihre Achse. Als Lichtquelle diente nun ein Petroleumglühlich mit einem Glühstrumpf von 80 mm Durchmesser. Die mittleren, drehenden Teile wurden auf große Linsenfelder umgebaut.

Borkum Blick vo...
Borkum Blick vom Leuchtturm
Borkum Blick vo...
Borkum Blick vom Leuchtturm
Borkum - Großer...
Borkum - Großer Leuchtturm

1925 kam das Gas-Glühlicht mit einer elektrischen 1000-Watt-Glühlampe. Die große Leuchte wurde nun durch einen kleinen Elektromotor bewegt.

Alle Mischkennungen wurden zu Beginn der Dreißiger Jahre von der Seezeichenverwaltung beseitigt und somit wurde das Borkumer Seefeuer 1936 auf eine 2-Blitz-Kennung mit einer Wiederkehr von 12 Sekunden umgestellt. Seitdem dreht sich die Leuchte in 36 Sekunden um ihre eigene Achse. Als Lichtquellen wurde verschiedene Glühlampen eingesetzt. Zunächst eine 2000-Watt-Lampe, von 1951 - 2004 wurden verschiedene 1500-Watt-Lampen eingesetzt. Seit März 2004 erzeugt eine 400-Watt-Halogen-Metalldampflampe in der Laterne des Großen Leuchtturms eine Betriebslichtstärke von 2.475.000 Candela. Damit erreicht das Seefeuer eine Nenntragweite von 24,5 Seemeilen.

Schon ab 1883 wurde gemeinsam von den Niederlanden und dem Deutschen Reich ein Plan für die Nachtschiffahrt der Ems und die Beleuchtung der Unterems aufgestellt. 1891 wurde eine Quermarke im Großen Leuchtturm in einem Seiten fenster eingerichtet. Es war sieben Seemeilen sichtbar und zeigte den Schiffern den Übergang vom Westemsleitfeuer auf das Leitfeuer Campen an. Das Feuer wurde mit einer Petroleum-Dochtlampe und einem Leuchtapparat 5. Ordnung (bedeutet mit einer Brennweite von 18,75 cm) betrieben.

1901 wurde dieses Feuer durch ein stärkeres ersetzt und in den Jahren 1911, 1925 und 1937 weiter wesentlich verändert. 1989 wurde ein neuer Bezeichnungsplan für die Westerems und das Randzelgat aufgestellt und damit musste auch ein neues Quermarkenfeuer eingerichtet werden. Durch die Entwicklung ist es heute ein Kompakt-Präzisionssektorenfeuer, das wie ein Dia-Projektor mit Farbfilterscheiben wirkt.

Geht man um den Turm herum, so scheint der Turm schief zu stehen. Warum das so ist, das werde ich sicher noch herausfinden. Ich bin ja noch lange genug da. Auf der Rückseite ist in den Klinkern eine (Marmor-)Platte eingelassen aus der steht: Erbaut im Jahre 1879 unter der Regierung Kaiser Wilhelm I. Natürlich bin ich auf den Turm hochgestiegen. Über 300 gewendelte Treppenstufen. Zum Ausruhen gab es Zwischenpodeste. Damit es nicht so auffiel, hingen dort Informationen an den Wänden...

Die Besichtigungszeiten sind von 10-11:30 und 15 - 17:30. Obwohl es noch vor 10 Uhr war, durfte ich hinauf. Eintritt kostet mit Kurkarte 1 Euro, ohne 2 Euro. Kinder unter 6 Jahren zahlen nichts und bis 14 die Hälfte der Erwachsenenpreise. Die Kurkarte hatte ich vergessen, dennoch bekam ich die Ermäßigung.

Ich war (fast) alleine oben und genoß die Aussicht. Strahlendes Wetter mit weiter Sicht, da lohnte sich doch der etwas beschwerliche Aufstieg. Ein paar Mal um den Turm herum, es war alles komplett mit Draht abgesichert, dennoch konnte ich durch die Öffnungen einigermaßen fotografieren. Der Abstieg war viel einfacher als der Aufstieg.

Borkum - Strand...
Borkum - Strandhotel
Borkum - Alte L...
Borkum - Alte Liebe
Borkum - Alter ...
Borkum - Alter Leuchtturm

Der Alte Turm (De Olle Toorn)

1576 wurde dieser Turm als Tages-Seezeichen gebaut. Zu dieser Zeit war der Turm 32,5 m hoch und mit einem Spitzdach versehen. Darin befand sich später ein Glockenstuhl. Zum Leuchtturm umfunktioniert wurde dieser Turm erst 1817. Das Spitzdach wurde entfernt und auf einer eisernen Plattform wurde ein geschlossenes Feuer (Öl-Lampen) errichtet.


Im Jahre 1879 wurde der Leuchtturm durch ein Feuer vernichtet und der Neue Leuchtturm wurde in Betrieb genommen. Nunmehr ist der Olle Toorn für die Schifffahrt nicht mehr von Bedeutung.

Heute gehört der Turm dem Heimatverein. Der Turm wurde gründlich renoviert und er kann auch wieder besichtigt werden. Die Zeiten sollte man beim Heinmatverein Borkum e.V. erfragen. Dieser liegt ganz in der Nähe des Turm. Eintritt kostet 1,50 € für Erwachsene, Kinder unter 6 Jahren sind frei, Schüler und Jugendliche zahlen 1.- €.
Jeden ersten Freitag im Monat finden Trauungen im Turm statt!

Bei dem alten Turm befindet sich ein alter Friedhof mit einigen uralten Gräbern aus dem 18. und auch 19. Jahrhundert. Mancher Grabstein ist jedoch nur ein Duplikat, während sich das Original im nahe gelegenen Heimatmuseum befindet. Nicht nur Totenköpfe verzieren die alten Grabsteine, sondern auch Walfischknochen sind um die Grabsteine aufgestellt.

Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum - Gedenk...
Borkum - Gedenkstein

Kleiner Leuchtturm
1887/1889 wurde der Kleine Leuchtturm als erster Leuchtturm Deutschlands für den elektrischen Betrieb gebaut. Die Kosten teilten sich zugleichen Teilen Deutschland und die Niederlande. Die Höhe dieses sechzehneckigen gusseisernen Leuchtturms beträgt 28 Meter. Er besteht aus 27 Millimeter starken Segmenten, die an den Flanschen innen verschraubt sind. Vier Ringe von jeweils sechszehn Segmenten übereinander, insgesamt drei Meter hoch, bilden innerhalb des Turms ein Stockwerk.

Heute zeigt der Kleine Leuchtturm ein Leitfeuer für das Hubertgat-Fahrwasser. Ein Präzisionssektorenfeuer mit einer Betriebslichtstärke von 4.500.000 Candela ist ungefähr 30 Seemeilen zu sehen. Die Feuerhöhe ist ca. 32 Meter über dem mittleren Wasserstand. 1966 wurde der Turm zur ersten Radarstation der deutsch-niederländischen Ladradarkette Ems ausgebaut. Dieser Kleine Leuchtturm mit seiner rot-weißen Verkleidung ziert viele Postkarten von Borkum.

Leider wird er gerade renoviert und ist nur in einer grünen Verpackung zu sehen. Schade, ich hätte dieses Motiv gerne aufgenommen.

Ganz in der Nähe des Kleinen Leuchtturms fand ich noch eine Gedenktafel. Darauf stand:
Am 15. Mai 1900 eröffnete die deutsche Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung mit einer Funkverbindung zwischen dem Feuerschiff " Borkumriff" und dem Borkumer "Kleinen Leuchtturm" des Wasser- und Schiffahrtamtes Emden den weiltweit ersten amtlichen Funkdienst.

Dies war die erste für den regelmäßigen Gebrauch bestimmte Anwendung des Funks.


Das Emmich Denkmal wurde 1917 errichtet und ist eine größere Kriegerdenkanlage aus dem 1. Weltkrieg. Das Denkmal befindet sich mitten in den Dünen des Ostlandes und wurde zu Ehren des längst vergessenen Generals Otto von Emmich (1848 - 1915) errichtet.

Bei der Enthüllung des Emmich Gedenksteines hielt der Kommandant der Festung, Herr Oberstleutnant Ruppricht eine Rede, die in einem Glaskasten nachzulesen ist. Wer daran Interesse hat, kann diese unter www.rk-borkum.de nachlesen.

Ich zitiere die letzten 2 Sätze:
Dem Deutschen Mann ein Deutscher Stein mit deutscher Wehr und Waffe, so fest der Mann im Schlachtendonner stand, so fest der Szein hier steht im deutschen Land, so fest wollen wir hier stehen, wenn einst der Feind nach hier ausstrecken sollte seine gierige Hand.
Dies geloben wir, indem wir rufen: Es lebe der Deutsche Kaiser! Hurra, Hurra, Hurra!

Borkum - Deich
Borkum - Deich
Borkum
Borkum
Borkum - Tüsken...
Borkum - Tüskendörsee

Steerenk-Klipp - Sternklipp-Dünen
Auf der Fahrrad-Rundfahrt erreichen wir die Sternklipp-Dünen, die im Osten der Insel liegt. Hier sollte man unbedingt auf diesen Aussichtspunkt hochsteigen (es sind nur wenige Stufen) Bei gutem Wetter hat man eine tolle Fernsicht.

Ich konnte die Inseln Juist, Memmert und Noderney einwandfrei erkennen. Je besser natürlich das Fernglas, je mehr kann man erkennen. Schön finde ich, dass auf der ganzen Insel überall interessante Informationen auf anschaulichen Tafeln aufgestellt wurden. Der Druck wurde meist durch den Rotary Club Borkum ermöglicht. Eine tolle Sache, die auch mal erwähnt werden sollte.

Den Namen erhielten die Sternklippdünen vermutlich durch die kleinen Seeschwalben, die hier brüten, deren lateinischer Name Sterna ist. Hier ist noch unberührte Naturlandschaft mit riesigen Sandfeldern. Dünen unterschiedlichster Art, Sümpfe und Salzwiesen. Hier hat die Natur das Sagen und Wind und Wetter formen die Landschaft. Viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten gedeihen hier in diesem optimalen Lebensraum. Für viele Vögel ein wichtiges und wertvolles Brut- und Rastgebiet.

Entwicklung der Wattgebiete und der Inseln:
Der Name der Inseln änderte sich ebenso häufig wie sich die Wattgebiete und Inseln änderten:
Borkna (1270), Borkina (1379), Borkyn (1409), Borchum Ooge (1440), Borckum (1462, Borckom (1541), Borchum (1559) bis zum heutigen Namen Borkum.

Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum
Borkum

Untrennbar mit der Mündung der Ems ist die Entwicklung der Insel Borkum und den angrenzenden Wattgebieten verbunden. Im Westen von Borkum liegt die Insel Rottumeroog, im Osten Juist und die Vogelinsel Memmert. Im 16.Jahrhundert war die Osterems noch das Hauptfahrwasser der Ems, die jedoch im Laufe der Zeit stark verlandete. Deswegen wurde die Westerems zunehmend als Wasserstraße genutzt, hier lagen noch vor 100 jahren die tiefsten Wasserrinnen. Heute befinden diese sich im Randzelgat.

Buhne
Die Buhnen wurden durch den Menschen geschaffen, es sind Bauwerke des Küstenschutzes. Dennoch finden wir in diesem künstlich geschaffenen Lebensraum viele Meeresbewohner.

Nahe der Niedrigwasserlinie siedeln die Miesmuscheln, die hier dichte Bänke bilden. Etwas weiter oben befindet sich eine Krebsart, die Seepocken. Schwimmen sie noch während des larvenstadiums frei herum, so wachsen sie später an einer festen Unterlage fest und umgeben sich mit einem Kalkmantel. Bei Hochwasser öffnen sie einen kleinen Deckel und lassen ihre Fangarme raus, um sich zu ernähren. Bei Niedrigwasser schützt der Deckel vor dem Austrocknen.
Im obersten Bereich der Buhne wächst hauptsächlich Tang, Darmalge und Röhrentang.

Naturpark Olde Düne
In den Tälern zwischen den hohen Dünenkämmen sammelt sich das Grundwasser. Die Flächen stehen bei starkem Regen monatelang unter Wasser. Bei großer Trockenheit fällt der Grundwasserspiegel und die Täler fallen trocken. Nun räumt der Wind den Sand tief aus. Wird der Grund des Tales jedoch regelmäßig feucht, kann der Wind den Sand nicht mehr wegblasen. Pflanzen wie Krähenbeere, Glockenheide, Kriechweide, Moorbirke, Röhricht und das Gefleckte Knabenkraut siedeln sich an. An nährstoffarmen Standorten beginnt eine Moorbildung.

Borkum - Tüsken...
Borkum - Tüskendörsee
Borkum - Naturp...
Borkum - Naturpark Olde Düne
Borkum - Naturp...
Borkum - Naturpark Olde Düne


Vom Strand zur Weißdüne - Drei Dinge sind für eine Dünenbildung notwendig:

  1. 1. Sand, der eine Düne bildet
  1. 2. Wind, der den Sand zur Düne formt
  1. 3. Pflanzen, die die Düne festhalten

Durch Strand-Quecke, Strandroggen und Muschelschalen an hochliegenden Stränden können kleine Sandanhäufungen, die sogenannten Vordünen entstehen. Diese kalk- und salzhaltigen "Minidünen" wachsen weiter an, bis der Wurzelraum der Dünenpflanzen außerhalb des Salzwassereinflusses liegt. Dann siedelt sich der Strandhafer an, der in der Lage ist, das frische nährstoffreiche Material der Weißdünen festzulegen.

Die Dünen wachsen bis zu 20 m hohe Dünenketten an. Nach etlichen Jahren, wenn die Nährstoffe zurückgehen, bildet sich zunächst an der windabgewandten Seite eine dünne graue Humusdecke. Es entsteht die Graudüne mit Sanddorn, Kriechweiden, Stranddiesteln, Heidekräutern, Mossen, Sandsegge, Holunder, Kartoffel-Rose, Zitter-Pappel und viele andere. Die Graudünen sind je nach Lage Und Standort Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Hier sei die Brandgans genannt, die man fast überall in den Graudünen findet.

Die Braundüne entwickelt sich aus der Graudüne, wenn der Boden entkalkt, versauert und mit Humus angereichert wird. Dann wächst die Krähenbeere und der Tüpfelfarn. Ab einer gewissen Übersäuerung vertragen auch diese Pflanzen den Säuregehalt nicht mehr und die Pflanzendecke lichtet sich. Dann kann der Wind wieder ungehindert angreifen und irgendwann bricht die Düne zusammen und wird vom Wind weggetragen.

Borkum
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Trinkwasserversorgung auf Borkum
Wer glaubt, Borkum hat kein Süßwasser, der irrt. Das Trinkwasser wird nicht vom Festland angeliefert, sondern es stammt aus einem natürlichen Wasserspeicher, der Süßwasserlinse, unter der Insel. Süßwasser ist leichter als Salzwasser. So "schwimmt" das versickerte Regenwasser auf dem Salzwasser. An den Rändern entsteht eine Übergangszonen, die Brackwasserzone, die ein Eindringen von Salzwasser verhindert.

Bestimmt wird die Bildung der Süßwasserlinse durch die Niederschlagsmenge, der Pflanzen und dem unterirdischen Abfluss von Süßwasser ins Meer. Das hört sich alles recht einfach an, aber es muss alles stimmen, wird zu viel Süßwasser entnommen, kann Meerwasser in die Süßwasserlinse gelangen, ebenso bei Sturmfluten besteht erhöhte Gefahr.


Die Borkumer Kleinbahn
Im Jahre 1883 wurde der Bau einer festen und tideunabhängigen Anlegers geplant, denn bislang mussten Passagiere die umständliche und gefährliche Anlandung am Borkumer Südstrand in Kauf nehmen.Gleichzeitig wurde eine konzessionierte Eisenbahnlinie geplant.

In Betrieb genommen wurde die Eisenbahnlinie zwischen dem neuen Anleger Fischerbalje und der Ortsmitte von Borkum am 15. Juni 1888. Allerdings führte die Strecke 4 km durch das offene Watt, teilweise auf Pfahljochstrecken, und teilweise auf der alten Pferdebahnstrecke 4 km durch die Dünen.

Borkum
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Als die Insel im Jahre 1902 durch Kaiser Wilhelm den Status einer Seefestung erhielt, wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut. 1938 wurde der neue Hafen und eine Betonstraße (die heutige Reedestraße) parallel zu den Gleisen der Wattstrecke gebaut. Diese diente ausschließlich militärischen Zwecken. Die Inselbahn gewann an Bedeutung. Die Gleislänge betrug 45 km, es gab 6 Lokomotiven und über 70 Wagen.

Nach der Freigabe der Betonstraße im Jahre 1946 für den zivilen Verkehr, erlebte die Kleinbahn einen wirtschaftlichen Niedergang.

1962 wurde die Wattstrecke durch eine verheerende Sturmflut fast völlig zerstört. Es wurde ein Bus-Linienverkehr aufgenommen. 1963 wurde die Kleinbahn in eine GmbH umgewandelt und der von der Kleinbahn gebaute und unterhaltene Schutzwall der Wattstrecke als wichtiges Schutzbauwerk vom Wasser- und Schifffahrtsamt übernommen und zum Deich ausgebaut.

Ein lngfristiger Investitionsplan wurde 1979 beschlossen und ein neuer Betriebshof mit moderner Werkstatt und einer Abstellhalle 1982 eingeweiht. In den Jahren 91/92 wurde ein neues Bahnhofsgebäude eingeweiht und 93/94 wurden 18 neue Reisezugwagen angeschafft (nach altem Vorbild gefertigt) und 3 neue Dieselokomotiven in Auftrag gegeben. Es folgten die Erneuerung und Wiederherstellung der Schienenstrecke und der Haltestellen.

Borkum - Strand
Borkum - Strand
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Borkum - Möwe
Borkum - Möwe


Die Dampflok Borkum III wurde am 01.03.1941 als "Dollart" in Betrieb genommen. Im Laufe der Jahre wurden die Dampflokomotiven mehr und mehr durch Diesellokomotiven ersetzt. Der letzte Einsatz der "Dollart" erfolgte am 16.6.1968, ab 1978 wurde sie zusammen mit dem Kaiserwagen auf einem Sockel als Denkmal am Kurhaus aufgestellt.

1996 wurde die Dampflok im Werk Meiningen der Deutschen Bahn AG komplett zerlegt und aufgearbeitet. Insgesamt wurden 620.000.- DM zur Wiederherstellung benötigt. Der genietete Dampfkessel wurde durch einen geschweißten Neubaukessel ersetzt mit einer umweltschonenden Leichtölfeuerung mit Dampfzerstäubern in 5 Wirbelbrennern.

Am 25. März 1997 wurde die restaurierte Dampflokomotive unter dem Namen Borkum III wieder in den Kleinbahnalltag von Borkum eingesetzt.


Die Innen-Stadt von Borkum ist so gut wie autofrei. Es lohnt sich also nicht, den Wagen mitzunehmen. Parkplätze sind rar und teuer, also gleich das Auto in Emden stehen lassen. Von da aus geht es mit der Fähre in 2 - 2,5 Stunden nach Borkum. Im Hafen angekommen, fährt die Inselbahn zum "Hauptbahnhof".

In den Sommermonaten kann man auch mit dem Katamaran in einer Stunde nach Borkum fahren, sofern das Wetter es zu lässt, denn ab einer gewissen Windstärke fährt der Katamaran nicht. Das ist auch ein Grund, warum man sich erst in Borkum den Fahrschein für den Katamaran kaufen kann. Der Aufpreis zur normalen Fähre kostet 8 € (Stand Oktober 2006) und man zahlt vor Abfahrt.

Borkum - Der Al...
Borkum - Der Alte Turm
Borkum
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Die älteste Kirche der Insel Borkum ist die Kirche Maria Meeresstern von 1881. Sie wurde erbaut vom Kaplan Carl Böddinghaus, der auch das Kinderheim Sancta Maria erbauen ließ. Außen im Gemäuer der Kirche steht eine Tafel mit folgendem Spruch eingemeißelt:

Das Schicksal schreibt dem Schiff die Bahn nicht vor, es schickt uns nur den Wind.
Doch wenn der Steuermann am Ruder schläft, mag wohl der gleiche Hauch,
der uns dem Hafen näher treibt, auch an den Riffen uns zerschellen.
Des Bootsmanns Los ist Wachsamkeit, ob rauh es weht, ob lind.

Das Wetter auf Borkum ist immer gut. Regen, Sonne, Wolken wechseln sich ab. Scheint morgens die Sonne, kann es mittags regnen und nachmittags weht ein laues Lüftchen. Bis auf einen echten Orkan habe ich schon alles mitbekommen. Die richtige "Zwiebelkleidung" ist ausschlaggebend.

Und es gibt fast nichts Schöneres als mal so richtig auf der Wanderung oder Fahrradtour nass zu werden. Ich sagte ja "fast". Ein Regenschutz sollte der ständige Begleiter sein und das nächste Mal nehme ich mir auch Regenstiefel mit, denn im Watt ist es manchmal ganz schön nass. Und wenn der Wind mal so richtig bläst und man mit dem Fahrrad unterwegs ist, dann weiß man den Rückenwind zu schätzen.

Borkum
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01. November 2006, Orkan über Norddeutschland, Jahrhundertflut in Ostfriesland, 17-Meter-Wellen in der Nordsee, Hochwasser in Hamburg und Schnee in Bayern, Sachsen und Thüringen. Mit heftigen Wetter-Turbulenzen hat der November in Deutschland Einzug gehalten.

In der Nacht zum 01.November tobte ein Orkan über Norddeutschland. Die Wellen vor Borkum erreichten im Durchschnitt 10 Meter, einzelne Wellen waren bis zu 17 Meter hoch. Ein Küstenschiff trieb wegen einer defekten Ruderanlage vor Borkum. Das niederländische Rettungsboot wurde Opfer der Wellen. Dreimal kenterte das Rettungsboot. Alle konnten jedoch gerettet werden. Am folgenden Tage habe ich ein paar Fotos vom verwüsteten Strand aufgenommen.

Riesenglück hatten vier niederländische Seeleute. Sie überlebten in ihrem 19 Meter langem Rettungskreuzer, obwohl ihr Schiff drei Mal in der tobenden See vor Borkum durchgekentert war.

Bis 17 Meter hohe Wellen

Die Wetterverhältnisse vor Ort waren extrem schwierig. Auf See herrschten Windstärken von 9 bis 12 Beaufort. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg wurden in der Nacht im Seegebiet nördlich von Borkum im Durchschnitt 10 Meter hohe Wellen gemessen. Einzelne Wellen hätten sogar 16 bis 17 Meter erreicht.

Borkum - Sturmf...
Borkum - Sturmflut
Borkum - Sturmf...
Borkum - Sturmflut
Borkum - Sturmf...
Borkum - Sturmflut

Fast hätten die Retter ihr Leben verloren, als sie in der aufgewühlten See anderen in Not zur Hilfe eilten.
Das niederländische Rettungsboot „Anna Margaretha” war auf dem Weg zum havarierten Küstenmotorschiff „Cementina”. Das 100 Meter lange Schiff trieb wegen einer defekten Ruderanlage vor Borkum. Die Wellen machten den Rettungskreuzer zu ihrem Spielball.

Die vier niederländischen Seeleute wurden nach dem Durchkentern ihres Schiffes vorübergehend vermißt. Erst Stunden später meldeten sie sich per Handy bei ihrer Einsatzstelle, nachdem ihr Funk ausgefallen war. Sie konnten gerettet werden. Bis auf einige kleinere Verletzungen sind alle wohlauf. Auch die Besatzung der „Cementina” wurde geborgen.

Schon kurz nach dem Sturm kehrte schnell wieder die Normalität zurück. Die Reste wurden beseitigt, es wurde aufgeräumt und bald war nicht mehr viel zu sehen. Bis zum nächsten Sturm. Das Wetter wurde anders, der Herbst hielt Einzug. Ich blieb noch einige Tage vor Ort und dann war für mich die schöne Zeit vorbei.

Borkum hat mir sehr gefallen und ich werde wiederkommen!

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Borkum - Deich
Borkum - Deich

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